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Der Käfersammler
Emil Werner
* 4.12.1904 †18.12.1987
Erinnerungen von Jürgen Gienskey
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Als ich 1960 in einem Schaufenster
in Berlin-Reinickendorf das Käferbüchlein von
Hans Wagner sah, es kaufte, begann meine Sammlertätigkeit. Da ich darin
gute
Tipps las, wie man fängt und eine Sammlung aufbaut, brauchte ich
Utensilien.
Also ging ich zur Insektenbörse, die damals in der Mensa der Universität
in Dahlem
am 4.12. stattfand. An der Kasse saß ein Herr im fortgeschrittenen
Alter. Er erklärte
mir auf meine Frage, wo ich die benötigten Dinge bekommen könne: Bei ihm
in
Moabit, in der Bugenhagenstraße. Neben seiner Tätigkeit als
Herrenmaßschneider
hatte er von der Münchener Firma Reitter die Vertretung für
Insektensammlerbedarf
übernommen. So fing alles an. Als sich dann noch herausstellte, daß wir
beide am
gleichen Tag, an dem wir uns kennenlernten, Geburtstag hatten, wußten
wir, daß das
kein Zufall war. Es begann eine lange Freundschaft. So kam ich zu Emil
Werner.
Im Laufe der Jahre wurde die Beziehung immer enger. Unsere Frauen
lernten sich
auch kennen. Der Höhepunkt war die Übernahme der Patenschaft für unseren
Sohn
Karsten.
Durch Emil lernte ich den ORION kennen. In den vielen Jahren seiner
Mitgliedschaft
( seit 1933 ) brachte er so manchem jungen Sammler die Grundkenntnisse
der
Koleopterologen bei. Viele, die es lesen, wissen was sie Ihm zu verdanken
haben.
Unterstützt wurde er von seiner Frau, einer Schmetterlingssammlerin mit
dem Spezialgebiet Eulen, die schon genau so lange Mitglied war.
Die nicht vollständige Liste seiner Reisen und Sammelorte läßt erahnen,
wie aktiv
er war. Viele seiner bekannten Sondergebiete hat er erst nach dem Ende
seiner
Berufstätigkeit, die er mit 71 Jahren beendete, begonnen. Seine Frau
erzählte oft
über ihn, daß ihr "Olleken", schon morgens ab 5 Uhr am Tisch saß, um
zu präparieren
oder zu bestimmen.
Wie oft haben wir im Verein gehört, wie wichtig es sei, die Tiere
richtig zu etikettieren.
Was mußte sich unser Vorsitzender anhören, als der Vortrag, den Emil
halten wollte
in der Vortragsliste mit "verbogenen Rüßler" betitelt war. Er konnte
sehr genau sein.
Einige Male war ich mit Ihm gemeinsam auf Reisen. Ein großes Erlebnis
war es,
nach stunderlanger Suche im feuchten Flußufer der Drau endlich jeder ein
Tier von
Bembidion eques (einem nicht häufigen kleinen Laufkäfer) zu erwischen.
Es wurden nicht nur Käfer gesammelt. Auch die Botanik kam nicht zu kurz.
Interesse
war für alles aus der Natur da. Als unser Freund Günter Grundmann mit in
Simmerlach
in Kärnten war, hatten wir das für uns seltene Erlebnis in einem alten
Stollen das
Leuchten von Antimonit unter dem Licht der UV-Lampe zu bewundern.
Angeregt
dadurch, kam gleich darauf die nächste Überraschung. Als wir abends mit
der Lampe
die Steinmauer der Zufahrt zu unserer Pension ableuchteten, entdeckten
wir, da die
Tiere grün aufleuchteten, eine kleine Skorpionart, die wir sonst nur
mühsam gefunden
hätten.
So gäbe es noch viele Geschichten zu erzählen. Es sollte jedoch kein
Buch werden,
sondern nur ein Hinweis auf den Grund, etwas über Emil Werner
festzuhalten.
Die Sammlung von Emil Werner befindet sich in meinem Besitz. Sie besteht
aus
ca. 35 Kästen unterschiedlicher Größe. Es dürften etwa 8.000 Tiere in
ca. 1500 Arten
sein.
Ich will nach einigen Jahren noch eine Ergänzung hierzu schreiben Denn
durch das
Erscheinen der Entomofauna Germanica, Verzeichnis der Käfer
Deutschlands, von
Frank Köhler und Bernhard Klausnitzer, erhielt ich die Möglichkeit,
besser nach
Raritäten in der Sammlung zu fahnden. Vieles hat sich inzwischen als
Wunschdenken
in der Bestimmung erwiesen. Es kann aber auch umgekehrt sein. Vielleicht
sind ja bei gewöhnlichen Tieren auch Besonderheiten.
Mein Anliegen war aber eigentlich, Emil nicht in Vergessenheit geraten
zu lassen.

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