Vereinschronik

 

Der Käfersammler
Emil Werner
* 4.12.1904  †18.12.1987

Erinnerungen von Jürgen Gienskey


Emil Werner 1972

Als ich 1960 in einem Schaufenster in Berlin-Reinickendorf das Käferbüchlein von Hans Wagner sah, es kaufte, begann meine Sammlertätigkeit. Da ich darin gute Tipps las, wie man fängt und eine Sammlung aufbaut, brauchte ich Utensilien. Also ging ich zur Insektenbörse, die damals in der Mensa der Universität in Dahlem am 4.12. stattfand. An der Kasse saß ein Herr im fortgeschrittenen Alter. Er erklärte mir auf meine Frage, wo ich die benötigten Dinge bekommen könne: Bei ihm in Moabit, in der Bugenhagenstraße. Neben seiner Tätigkeit als Herrenmaßschneider hatte er von der Münchener Firma Reitter die Vertretung für Insektensammlerbedarf übernommen. So fing alles an. Als sich dann noch herausstellte, daß wir beide am gleichen Tag, an dem wir uns kennenlernten, Geburtstag hatten, wußten wir, daß das kein Zufall war. Es begann eine lange Freundschaft. So kam ich zu Emil Werner. Im Laufe der Jahre wurde die Beziehung immer enger. Unsere Frauen lernten sich auch kennen. Der Höhepunkt war die Übernahme der Patenschaft für unseren Sohn Karsten.

Emil Werner 1971 in Bärenfels

Durch Emil lernte ich den ORION kennen. In den vielen Jahren seiner Mitgliedschaft ( seit 1933 ) brachte er so manchem jungen Sammler die Grundkenntnisse der Koleopterologen bei. Viele, die es lesen, wissen was sie Ihm zu verdanken haben. Unterstützt wurde er von seiner Frau, einer Schmetterlingssammlerin mit dem Spezialgebiet Eulen, die schon genau so lange Mitglied war.

Die nicht vollständige Liste seiner Reisen und Sammelorte läßt erahnen, wie aktiv er war. Viele seiner bekannten Sondergebiete hat er erst nach dem Ende seiner Berufstätigkeit, die er mit 71 Jahren beendete, begonnen. Seine Frau erzählte oft über ihn, daß ihr  "Olleken", schon morgens ab 5 Uhr am Tisch saß, um zu präparieren oder zu bestimmen.

Wie oft haben wir im Verein gehört, wie wichtig es sei, die Tiere richtig zu etikettieren. Was mußte sich unser Vorsitzender anhören, als der Vortrag, den Emil halten wollte in der Vortragsliste mit  "verbogenen Rüßler" betitelt war. Er konnte sehr genau sein. Einige Male war ich mit Ihm gemeinsam auf Reisen. Ein großes Erlebnis war es, nach stunderlanger Suche im feuchten Flußufer der Drau endlich jeder ein Tier von Bembidion eques (einem nicht häufigen kleinen Laufkäfer) zu erwischen.

Es wurden nicht nur Käfer gesammelt. Auch die Botanik kam nicht zu kurz. Interesse war für alles aus der Natur da. Als unser Freund Günter Grundmann mit in Simmerlach in Kärnten war, hatten wir das für uns seltene Erlebnis in einem alten Stollen das Leuchten von Antimonit unter dem Licht der UV-Lampe zu bewundern. Angeregt dadurch, kam gleich darauf die nächste Überraschung. Als wir abends mit der Lampe die Steinmauer der Zufahrt zu unserer Pension ableuchteten, entdeckten wir, da die Tiere grün aufleuchteten, eine kleine Skorpionart, die wir sonst nur mühsam gefunden hätten.

So gäbe es noch viele Geschichten zu erzählen. Es sollte jedoch kein Buch werden, sondern nur ein Hinweis auf den Grund, etwas über Emil Werner festzuhalten. Die Sammlung von Emil Werner befindet sich in meinem Besitz. Sie besteht aus ca. 35 Kästen unterschiedlicher Größe. Es dürften etwa 8.000 Tiere in ca. 1500 Arten sein.

Ich will nach einigen Jahren noch eine Ergänzung hierzu schreiben Denn durch das Erscheinen der Entomofauna Germanica, Verzeichnis der Käfer Deutschlands, von Frank Köhler und Bernhard Klausnitzer, erhielt ich die Möglichkeit, besser nach Raritäten in der Sammlung zu fahnden. Vieles hat sich inzwischen als Wunschdenken in der Bestimmung erwiesen. Es kann aber auch umgekehrt sein. Vielleicht sind ja bei gewöhnlichen Tieren auch Besonderheiten.

Mein Anliegen war aber eigentlich, Emil nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.