Vereinschronik

Dr. KARL STÖCKEL

* 1898   † 1978


Mitteilungen der
Deutschen Entomologischen Gesellschaft, e.V.
Jahrgang 27 /15. Dezember 1968 /Heft 5

Am 30. August 1968 vollendete der bekannte Berliner Großschmetterlingsforscher Dr. Karl STÖCKEL in Berlin-Zehlendorf das 70. Lebensjahr.

Seit über 60 Jahren ist der Jubilar ein nie ermüdender Beobachter und Sammler der märkischen Falterwelt. So nahm er am Tage nach seinem 70. Geburtstag an einem sich bis nach Mitternacht erstreckenden Leuchtabend auf der Pfaueninsel teil und stellte durch sein Stehvermögen auch jüngere Teilnehmer in den Schatten.

Durch den Arztberuf seines Vaters kam er schon als Schüler durch weite Teile der Mark Brandenburg. Mütterlicherseits entstammt er dem altberliner Geschlecht der Beussels, die im Nordwesten Berlins ansässig waren. Sein Vorfahr Georg Christian Beussel (gest. 1844) war Landwirt in Martinicken-felde, einem Teil des heutigen Moabit, von wo aus er eine Straße, die spätere Beusselstraße, anlegte.

Nach dem Studium der Architektur an der TH Berlin, das STÖCKEL mit einer Dissertation über Hannovers Renaissancebauten abschloß, stand ihm in der Berliner Bauverwaltung eine aussichtsreiche Laufbahn bevor. Diese wurde im Jahre 1933 infolge seiner offenen Gegnerschaft zu den neuen Machthabern jäh unterbrochen.

STÖCKEL fand nun Trost und Ausgleich in der weiteren und noch intensiveren Erforschung der märkischen Schmetterlingsfauna. Seine umfangreiche Spezialsammlung fiel aber leider 1943 den Bomben zum Opfer.

Nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft begann er 1946 mit dem Wiederaufbau seiner Sammlung und der Neubearbeitung seines Werkes über die Großschmetterlinge Berlins und der Mark Brandenburg. Dies war damals mit Rücksicht auf die unmittelbaren Kriegsfolgen sehr schwierig. Auch hatte er dabei mehrfach unerwartete Berührung mit fremden Dienststellen. Sein Sammeleifer entführte ihn nämlich ^gelegentlich in ab--gegrenzte Bezirke. Von dort kehrte er manchmal erst nach gründlichen und lange Zeiträume beanspruchenden Prüfungsprozeduren über seine Naturkundekenntnisse schließlich wieder wohlbehalten zurück.

Schließlich gelang es, die Sammlung, unter Hinzufügung von Neufunden, etwa wieder auf den alten Stand zu bringen. Zur exakten Determination hat er dabei oft die berühmte Pünglersammlung durchstudiert, wobei er durch den ihm befreundeten Professor HERING unterstützt wurde.

Karl STÖCKEL ist wiederholt mit insbesondere ökologischen und lokal-faunistischen Arbeiten an die Öffentlichkeit getreten. Auch hat er an den Bestrebungen der Berliner Landesnaturschutzstelle zur Faunenbestandsaufnahme regelmäßig mitgearbeitet.

Vor etwa zehn Jahren hat er eine in ihrer Ausführlichkeit einmalige Fauna der Großschmetterlinge der Mark Brandenburg zusammengestellt und danach laufend ergänzt. Der Determination kritischer Arten schenkte er dabei besonderes Interesse. Dies kommt an vielen Stellen, wie z. B. bei der Melitaea athalia-Gruppe, zum Ausdruck. Infolge finanzieller Schwierigkeiten konnte dieses 1200 Druckseiten umfassende Werk leider bisher nicht veröffentlicht werden. Es können aber aus dieser Arbeit wertvolle Informationen an Interessenten mitgeteilt werden.

Wir wünschen Karl STÖCKEL, der als musischer Mensch auch Verfasser launiger Gedichte und ansprechender Bilddarstellungen ist, noch viele Jahre der Freude an seiner märkischen Heimat.