P R O T O K O L L der gemeinsamen Versammlung von FG Entomologie Berlin und ORION im Naturkundemuseum vom 10.01.2012

Vorsitzender: Thomas Ziska

Anwesend (+ Doppelmitgliedschaft): 8 (+ 3) Mitglieder FG, 15 (+ 3) Mitglieder ORION, 5 Gäste

Thema: Einheimische Wanzenarten.


Thomas Ziska begrüßte die Anwesenden und wünschte ein gesundes neues Jahr. Es folgte die Verlesung des Protokolls vom 13.12. durch Uwe Heinig.

Zu Beginn seines Vortrages stellte Dr. Jürgen Deckert, Kustos der Wanzenabteilung des Naturkundemuseums, diese Ordnung kurz vor. In Berlin-Brandenburg kommen aktuell ca. 600 Arten vor, einige von ihnen wurden allerdings schon sehr lange nicht mehr gefunden, 14 Arten letztmals vor 1900 und 16 Arten letztmals vor 1960. Das liegt u.a. auch daran, dass es wenige Bearbeiter der Ordnung gibt. Eine Checklist der Arten steht auf der Internet-Seite des Orion.

Es wurde auf weitere Internet-Quellen zur Wanzenfauna Europas hingewiesen, ebenso auf Bestimmungsliteratur und Kataloge, teils älter, teils aktuelleren Datums.

Die Vorstellung der Arten auf sehr schönen Fotos begann mit einer Aggregation von Feuerwanzen, wie sie sicher jeder an Hauswänden oder Straßenbäumen schon gesehen hat. Bemerkenswerte Details zu einzelnen Wanzenarten folgten: Die Streifenwanze, heute wieder überall in Berlin-Brandenburg verbreitet, war in den 1980er Jahren selten geworden, eine der beiden Erdwanzenarten kommt erst seit 10 Jahren hier vor und verdrängt offensichtlich die früher häufige ursprünglich hier verbreitete Art, die jetzt seltener wird. Bei den Cydniden ist Brutpflege angesagt, ein interessanter Fakt, der ausführlich vorgestellt wurde.

Den Lederwanzen galt der folgende Abschnitt. Hier wurde besonders auf die mit Koniferen eingeschleppte Amerikanische Zapfenwanze eingegangen, die seit etwa fünf Jahren in unserer Region vorkommt und die 2011 sehr häufig auftrat. Weitere Vertreter der Gruppe, u.a. der Föhrengast, im Foto mit Eiern von Raubfliegen besetzt, wurden vorgestellt. Die kleinste heimische Wanzenart, ebenfalls ein Neozoon ist die Lavendelwanze aus der Fam. Tingidae mit einer Körperlänge unter 1 mm. Sie kann aus Sphagnum-Beständen gesiebt werden.

Es folgten Baumbewohner aus der Fam. Pentatomidae. Hierher gehören u.a. Stinkwanze und verschiedene Arten der Gattung Aelia, die häufig auftreten. Neben den auf Fotos gezeigten Vertretern wurde oft auf Schwesterarten hingewiesen, die ähnlich aussehen, aber selten sind oder lange nicht nachgewiesen wurden. Viele Pentatomidae-Arten leben an Ginster, eine kleine Auswahl wurde vorgestellt.

Weiter ging es mit Raubwanzen, Sichelwanzen, Bodenwanzen, Stelzenwanzen, Uferwanzen, Rindenwanzen und Weichwanzen. Von letzteren kommen in Brandenburg über 200 Arten vor, deren Bestimmung, auch mittels Genitalpräparation z.T. sehr schwierig ist. Zu jeder Art, die im Bild gezeigt wurde, gab der Vortragende Informationen zu Lebensraum und Biologie. Außerdem sprach er über den Kontakt Mensch-Wanze, der z.B. durch die Überwinterung verschiedener Arten in Gebäuden zustande kommt. Auch individuenreicher Einflug in Wohnengen in den warmen Monaten kommt gelegentlich vor.

Nicht zuletzt wurden Blutsauger vorgestellt, jene Vertreter der Ordnung, die diese in Verruf brachten. Bettwanze, Fledermauswanze und Schwalbenwanze wurden gezeigt und besprochen. Besonders erwähnte Dr. Deckert noch die Fam. Rhopalidae, neben den Tingiden Lieblingsgruppe der anwesenden Wanzenexpertin Dr. Ursula Göllner.

Abschließend wurden noch einige Vertreter der Wasserwanzen, wie Rückenschwimmer, Grundwanze und Wasserläufer präsentiert. 31 Arten kommen im Gebiet Brandenburgs vor von denen 50% als selten angesehen werden.

Der Vortrag endete mit der Vorstellung einiger Experten für die Ordnung Heteroptera aus unserer Region. Dann folgten Fragen von Andreas Ratsch und Sven Marotzke, sowie eine Ergänzung zu Wasserwanzen von Matthias Hartung.


Der offizielle Teil des Abends endete gegen 20:30 Uhr. Der gesellige Teil fand in der nahe gelegenen Gastronomie statt.

Uwe Heinig (Schriftführer FG)

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