Protokoll der Sitzung vom 26. Februar 2008

Anwesend: 18 Mitglieder, 1 Gast

Beginn: 19.20 Uhr – schon ab 17.00 Uhr reges Bestimmen und Sortieren der Käfersammlung


Begrüßung durch Michael Woelky, Verlesung des Protokolls und kurzes positives Resümee zur langen Nacht der Museen mit besonderem Dank an Peter Richter, Prof. Horst Korge und Detlef Grösser, die mit ihren Präsentationen über Nützlinge im Forst, Käferbestimmungen und Wandelnde Blätter einen gelungenen Abend sicherten.

Vortrag von Klaus Dörbandt unter Verwendung von hervorragendem Fotomaterial von Bernd Krüger

Thema: Inventur – Eine Bilanz des Biotop– und Artenbestandes 18 Jahre nach der Wende

Gewinner und Verlierer der Tagfalter in Berlin/Brandenburg

Bedauerlich war ein nicht in Gang zu bringender Beamer, was dem gelungenen Vortrag von Klaus Dörbandt aber keinen Abbruch tat, die Mitglieder rutschten zusammen, es gab ja noch einen Laptop.

Klaus Dörbandt, der seit 1990 akribisch Biotope und Bestände der brandenburgischen Tagfalter untersucht und dokumentiert, kam abschließend zu folgendem Fazit. Für 28 Tagfalterarten ( 25 % ) müssen wie einen teils dramatischen Rückgang verzeichnen und für nur 7 Arten ( 6 % ) lässt sich eine positive Bestandsentwicklung in Berlin-Brandenburg seit 1990 beobachten.

Zum Einen sind seit der politischen Wende 1989 für Natur und Umwelt positive Umstände, wie der Rückgang von intensiv genutzten Agrarflächen, geringerer Eintrag von Pestiziden und Stickstoffdüngung, verminderte Fließgewässernutzung, völlige Einstellung der Düngung im Forst, Umbau der Kiefern-Monokulturen, keine Ausholzung der Laubbaum-Austriebe u.a. zu verzeichen. Arten wie Boloria dia, Lycaena alciphron, Melitaea cinxia, Lycaena dispar, Argynnis adippe , Argynnis aglaja, Apatura ilia und Aporia crataegi profitierten davon, haben im Bestand zugenommen.

Vertrags-Naturschutzprojekte haben Arten wie Melitaea diamina, Maculinea teleius und Euphydryas aurinia überhaupt erst überleben lassen, bzw. letzteren neu angesiedelt.

Andererseits sind drastische Bestandseinbußen durch allgemeine Klimaveränderungen ( Plebeius optilete, Coenonympha tullia ), Verlust extensiv genutzter Feuchtwiesen ( Boloria selene ), verlorene Kleinflächennutzung ( Polyommatus semiargus ) und voranschreitende Sukzession, auf Truppenübungsplätzen etwa ( Hipparchia statilinus, Hesperia comma, Plebeius argus ), zu verzeichnen.

Für 79 Tagfalterarten ( 69 % ) sind Gefährdungsgrad und Bestand seit 1990 unverändert.

Alles in Allem ein alarmierender Zustand, den auch Klaus Dörbandt in den folgenden Jahren weiter verfolgen wird.

Eine besonders erfreuliche Info brachte Jürgen Gienskey aus dem Nachrichtenblatt der bayerischen Entomologen vom 15. Februar 2008 mit. Auf Zypern wurde vor einiger Zeit eine neue Prachtkäferart entdeckt, die von Peter Brandl & Hans Mühle beschrieben wurde. Das Prachtstück erhielt den uns gut bekannten Namen Anthaxia gottwaldi ! Zitat aus der Fachzeitung : „ Wir erlauben uns, die neue Art unserem Freund und unermüdlichen Kollegen in der Erforschung der Prachtkäfer, Stephan Gottwald / Berlin zu widmen".

Herzlichen Glückwunsch Stephan !!!


Gegen 21:00 Uhr Ende der Sitzung und anschließendes gemütliches Beisammensein in den Chausseestuben .

Peter Rückheim

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