Vereinschronik

 

Hermann Kubusch
* 24.03.1882  † 22.05.1975


Hermann Kubusch
Hermann Kubusch

Hermann Kubusch mit seiner Lebensgefährtin Bertha Seifert.
Hermann Kubusch im Alter von 80 Jahren zusammen mit seiner Lebensgefährtin Bertha Seifert.

Sinn und Zweck der Entomologischen Studien

von Hermann Kubusch

Schon als Kind hatte ich ein großes Interesse an der Tier und Pflanzenwelt, namentlich den Insekten. Wenn ich in den Parkanlagen als kleiner Junge einen Käfer laufen sah - besonders die kleinen goldenen Laufkäfer - kam mir schon der Gedanke wie ich denselben aufbewahren könnte ohne daß er verletzt würde, um mich an der Farbe und Gestalt zu erfreuen. Daß man als Kind wieder abgelenkt wird von dererlei Gedanken ist selbstverständlich, das bringt der Umgang mit anderen Kindern mit sich, die von solch einer Anregung nicht ergriffen waren. Auch später, als ich aus der Schule kam, brachten mich die Umgangsverhältnisse wieder ab von dieser Anregung.

Eines Tages, als ich in einer Fabrik tätig war - ich war 19 Jahre alt - lernte ich einen jungen Mann kennen mit Namen Edaut. Seine Eltern waren französischer Herkunft. Er brachte zufällig eine Schachtel mit herrlichen Insekten, Käfer und anderes mit und zeigte auch mir dieselben. Wie ein elektrischer Strom so kam die Anregung aus der Kindheit zurück und ich war von der Leidenschaft erfaßt, die mein heutiges Ideal ist. Wir lernten uns näher auf dem Gebiet der Entomologie kennen, ich forschte nach allem, doch mein entomologischer Freund meinte, ich hätte wohl keine Ausdauer zu solchen Studien, überhaupt zum Sammeln dieser Naturobjekte. Doch er hatte sich geirrt; gleich den ersten freien Sonntag ging es nach Friedrichshagen und er zeigte mir die Naturschönheiten die man als Laie nicht ablauschen kann. So ging es mehrere Wochen, bis ich dann selbst mich am Sammeln betätigte. Wir waren wohl einen ganzen Sommer zusammen, bis wir durch Arbeitsverhältnisse von einander getrennt wurden.

Ich sammelte nun allein weiter und schaffte mir auch etwas Literatur an, so kam ich weiter und das Interesse wurde immer größer. Durch diesen Sport - wie ich es damals ansah - lernte ich auch das Pflanzenleben kennen und so wurde das Ganze für mich eine wissenschaftliche Schule. Von meinem ehemaligen Sammelfreund erfuhr ich später, daß er seine Leidenschaft an den Nagel gehangen habe und sich dem Musikstudium zugewandt hatte. Er wunderte sich aber als er hörte, daß ich noch ein intensives Interesse an der Entomologie habe. So vergingen mehrere Jahre. Ich legte mich speziell auf den Fang von Faltern und Käfern, mit der Zucht von Raupen gar nicht. Ich heiratete und zog in die Wrangelstraße 118. Mein Nachbar war ein Gärtner und ein Naturfreund. Durch ihn lernte ich Pflanzen kennen und dadurch kam das Interesse der Raupenzucht in mir. Wir hatten manch schöne Stunden in der Anfangszeit meiner entomologischen Sammeltätigkeit erlebt. Nicht bloß das Sammeln, sondern auch die Lebensweise der Insekten rückten in den Vordergrund des Ganzen. Eine Welt ohne Insekten wäre keine Welt, ganz abgesehen davon, daß viele von ihnen dem Menschen nicht schädlich, sondern sogar außerordentlich nützlich sind. Ohne Insekten gäbe es keine Blütenbestäuber, kein Obst und keinen Honig. Ohne den Taumelflug der Schmetterlinge über einer Wiese gäbe es keinen echten Sonnentag, ohne das Summen und Brausen der Bienen in blühenden Linden keinen echten Sommer. Es ist bedauerlich, daß die Waldidyllen für manchen Naturfreund der Abholzung zum Opfer fallen. Mein Sammelgebiet war von Baumschulenweg bis Zeuten. Ich will hier mit anführen, was für einen Sammler und Naturfreund besonders schmerzlich empfunden wird, wenn er wirklich schöne Stellen in nächster Nähe Berlins entdeckt hat und zusehen muß, wie wirklich schöne Waldflecken durch Abholzung verschwinden. So war unter anderem der heutige Flugplatz in den ersten Jahren meines Sportes die Stätte meiner Studien. An Stelle des Flugplatzes war in den Jahren 1904 bis 1908 noch ein herrlicher Wald und eine wunderbare Eichenschonung, zwischen der ein langer Wiesengraben sich durchschlängelte. Mein Nachbar der Gärtner und ich weilten sehr oft in dieser Gegend und machten Studien in der Pflanzen- und Tierwelt. Reich an Tagfaltern war diese Stelle. Diese Waldfläche zog sich von Johannistal bis Adlershof hin; ich muß mich des öfteren wieder erinnern, wenn ich mit der Bahn diese Stelle passiere wo wir einst uns dem Naturgenuß hingeben konnten. Muß noch mit anführen wie die Admirale (atalanta) in Mengen dort vorkamen, an Erlenstamm saßen immer 5-6 Stück beisammen; es war eine Freude solch eine Fülle zu sehen. Auch an Käfern waren schöne Sachen in diesem Eichenwald zu finden. Dann kam eines Frühjahrs die Enttäuschung; unser Gebiet wurde eingezäunt und wir sahen wie die herrlichen jungen Eichen von der Bildfläche verschwanden. Wir zogen uns weiter nach Grünau zu hin, denn dort war noch ein herrliches Gebiet - aber schon weiter ab von Berlin; was für einen Naturfreund, bei dem es sich auch um die Zeit handelt möglichst lange in der Natur zu verweilen, vom Nachteil ist. Wir hatten nun eines Sonntags - es war im Juli 1910 - eine Stelle entdeckt, ziemlich versteckt im Walde zwischen dem Bahnhof Adlershof und Grünau, links von der Bahn. Über den Teltowkanal führte der Weg erst durch eine kleine Birkenschonung, wo wir im März und April nach Birkenspinner (Endromis versiclora) suchten. Dann ging es durch einen Kiefernwald auf eine mit hohen Sträuchern - inmitten ein kleines Erlenbruch - umgebene Stelle. Es war feucht und schlecht einzudringen in in diese kleine Wildnis, wie man es als Fabrikmensch, der in den Wochentagen nichts weiter sieht als die grauen Mauern, nennen kann. Vor diesem Bruch war ein üppiger Pflanzenwuchs, namentlich Disteln und tiefer hinein Nesseln und Farne. Als wir so an diesen Ort anlangten, bot sich ein Bild von reicher und üppiger Farbenpracht wie ich es in meiner Sammeltätigkeit seitdem nicht wieder erlebt habe. Die Falter flogen zu Hunderten auf diesen Distelblüten. Vertreten waren die Arten: Admiral, Trauermantel, Tagpfauenauge, Distel falter, Kaisermantel, Perlmuttfalter und Bläulinge und Blutströpfchen. Diese Wiesen zogen sich bis Bahnhof Grünau hin. So ging es mit dieser Freude mehere Sonntage bis die Disteln verblühten, dann ließ diese Fülle nach. Wiesen sind nicht bloß das Dorado der Schmetterlinge, sie sind überhaupt ein Insektenparadies für alle Ordnungen der Kerftiere und Insektenfresser. Eines Sonntages konnte ich am hellen Tage das Spiel von 6 jungen Iltissen beobachten, was wirklich interessant war. Wolfsmilch stand in solcher Menge, daß eine dieser Waldwiesen vollständig damit bedeckt war. Wolfsmilchraupen (euphorbiae) kamen in Mengen dort vor, man mußte sich vorsehen beim Laufen daß man nicht viele zertrat. Die Wiesen waren noch begrenzt mit allerlei Sträuchern, jungen Erlenbüschen und wilden Schneeballarten, wo ich dann im Herbst Ligusterraupen fand; ziemlich zahlreich. Der Winter kam und wir freuten uns schon auf das nächste Jahr. Es war April 1911 als ich diese Stelle wieder betrat; vorher hatten wir schon in der Wuhlheide mehrere Stellen nach Birkenspinnern durchforscht; da bot sich etwas neues für mich, wieder eine Enttäuschung. Das Schmetterlingsgebiet zwischen Adlershof und Grünau war abgeholzt, nur die Baumstümpfe waren noch zu sehen. Ich war sehr betrübt über diese Wahrnehmung, ich hatte hier ausgespielt, mit den Faltern war es aus, wie ausgeraubt kam mir diese Stelle vor. Ich gab hier dieses Verbleiben auf und zog mich weiter hinter Grünau nach Eichwalde zu hin. Mein neues Gebiet - rechts von der S Bahn - wurde von einem Graben, dem so genannten Pumpengraben durchzogen, hatte ich als Ersatz dafür angesehen, was mir dort genommen war. Eines Sonntags früh um 5 Uhr, als ich aus dem Bahnhof kam, machte ich unter der Bahnbrücke einen Fund; im Rinnstein krabbelte ein Exemplar eines riesigen Kolbenwasserkäfer (Hydrous piceus); ich nahm ihn lebend mit, er hatte eine stattliche Größe, später reihte ich ihn in meine Sammlung ein. Durch diesen Fund kam ich erst auf den Gedanken im Graben eine Exkursion vorzunehmen. Ich teilte meinem Nachbar die Sache mit und wir machten uns auf den Weg. Wir hatten Erfolg. So wie in Grünau der Falterreichtum war, so war hier das Insektenleben im Wasser. Ein Gewimmel von allen Käfern war hier vertreten, von den großen Gelbrandkäfern bis zu den kleinsten Drehkäfern. Wasserwanzen, Skorpione, Spinnen, Rückenschwimmer u. dergl. mehr. Auch andere Tierbilder waren hier vertreten; riesige Wasserratten tauchten hin und wieder auf; an einer Stelle die etwas verbreitet war, hatten sich Wasserhühner eingenistet, auch Fische - besonders den Schlammbeißer - gab es hier in Mengen. Als ich meine Sammlung von diesen Wasserinsekten genügend bereichert und lebend zu Hause studiert hatte, wandte ich mich dem Falterstudium wieder zu.

Ich war jetzt allein angewiesen meine Forschungen weiter zuführen, denn mein Nachbar - im Besitz eines Laubengeländes - konnte sich nicht mehr an den Exkursionen beteiligen. Ich forschte weiter in diesem Gebiet, erst mal den Graben entlang bis Eichwalde und dann an der Bahn entlang auch bis Eichwalde. Hier schloß sich ein Komplex für mich auf, wo ich längere Zeit und ungestört meinem Vergnügen nachgehen konnte. Auch hatte ich das Gefühl, daß sie mir hier - da es schon weiter von Berlin entfernt ist - nicht so schnell Schwierigkeiten in den Weg legen würden wie in Grünau. Die Anfangszeit der Forschung in diesem Gebiet führte mich ständig an der Bahnböschung entlang, denn in dem Kiefernwald bis zur ersten Bahnschranke war es sehr öde bestellt; weiter nach Eichwalde wird dieser Wald abwechslungsreich an Laubbeständen. Die Bahnböschung zu beiden Seiten hat eine üppige Pflanzenflora wie man sie sich nicht besser wünschen kann und auf beiden Seiten bis Bahnhof Eichwalde stehen Reihen von Birken; in dieser Allee hatte ich die ersten Birkenspinner gefunden, meistens in Pärchen. Pappel - namentlich Zitterpappeln - und Weiden bilden hier die Abwechslung, vermischt mit kleinen Erlengebüschen und niedrigen Birken, Heidekraut, Labkraut und niedere Pflanzen bilden den Unterboden. Hier gibt es immer Schwärmer und Spannerraupen, auch viele Eulenraupen, auch ist hier die Stätte der kleinen Nachtpfauenaugen (Saturnia pavonia), die ich 1913 in großer Zahl hier zu beiden Seiten der Bahn gefunden habe. Eines Sonntags im April 1913 kam uns auf dieser Wanderung ein frisch geschlüpftes Weibchen von versicolora, ein Birkenspinner, entgegen gekrochen. Mein Nachbar war in Interesse meines neuen Gebietes wieder einmal mitgekommen. Ich unterrichtete ihn was es mit diesem Weibchen auf sich hat, nun war er gespannt der Dinge die da kommen sollten. Ich hatte eine Raupenschachtel mitgenommen, in diese setzte ich das noch unentwickelte Weibchen.

Als wir so eine Stunde umhergestreift waren, bemerkte mein Nachbar der die Schachtel trug - inzwischen war das Weibchen entwickelt - daß um die Schachtel zwei Falter kreisten in schnellem Fluge. Als wir nun genauer die Falter betrachteten sah ich, daß es Männchen von versicolora waren. Wir legten die Schachtel am Boden und ich fing die Birkenspinnermännchen ein. Ich habe 10 Exemplare mitgenommen für meine Sammlung. Dann ließ ich das letzte Männchen in copula mit dem Weibchen. Am anderen Tag legte das Weibchen 110 Eier und ich hatte das Glück 40 Puppen daraus zu ziehen. Ich hatte früher öfters im März Männchen fliegen sehen, doch war es mir nie geglückt eins davon zu fangen, da sie zu hoch in den Baumkronen flogen. Also war dieser Fang mit dem Weibchen sehr interessant und lohnend. Ich habe dann noch sehr schöne neue Flecken in diesem Jahr entdeckt. Rechts von der Bahn am Graben entlang sind schöne Wiesen und weiter nach Eichwalde zu endet der Wald in einem Dickicht und Unterholz von Brombeeren, daß man nicht imstande ist, ohne Gefahr sich die Kleidung zu zerreißen, hier einzudringen. Ich gab dieser Stelle den Namen Urwald. An dem Bahngleise unweit der Station Eichwalde liegt ein Erlenbruch, aber vollständig unter Sumpf; es gibt hier Stellen, die noch nicht von Sammlern durchforscht sind. Ich hatte nie Sammelfreunde hier angetroffen. Doch im Herbst des Jahres 1913 als ich mein Frühstück im Wohnhaus des Schrankenwärters einnahm, lernte ich zwei Sammler von Lepidopteren - das sind Netzflüglerartige Schmetterlinge - kennen.

Es waren zwei Brüder, die sich hier in diesem Gebiet eingefunden hatten, mit Namen Markus. Ich traf sie nachdem des öfteren hier und später lernten wir uns näher kennen, es entwickelte sich ein Freundschaftsverhältnis. Der Winter kam und der Sport ging zu Ende. Ich hatte viel Zuchtmaterial, besonders Puppen, und gab meinen neuen Bekannten etliche Exemplare. Sie standen erst am Anfang des Sammelsports und so hatte ich viel Interessantes zu berichten auf diesem Gebiet. Wir machten uns nun große Hoffnungen auf das nächste Jahr und schmiedeten allerlei Pläne. Im Frühjahr 1914 machten wir die ersten Ausflüge an der Bahnstrecke nach Eichwalde zu. Wir forschten nun in dem von mir genannten Urwald und meine neuen Freunde bestätigten mein Urteil, daß sich hier eine Ausbeute von vielseitigem Material in Zucht und Fang aufschließen würde. Vor allem hatten sie sich auf das so genannte Ködern in der Nacht viel versprochen. Für mich war das was neues, denn im Köderfang war ich ein Neuling, und allein ist es auch kaum ausführbar. Nun begann die Vorbereitung der Utensilien und Materialien die zum Ködern gebraucht werden. Anfang Juli, ein Sonnabend, machten wir den Anfang; wir hatten uns im Wohnhäuschen des Schrankenwärters häuslich niedergelassen, denn ohne einen Schutz im Falle eines Gewitters ist es nicht angenehm die Nacht zu verbringen. Wir kamen bei hellem Tage an unseren Ort und begannen die Vorbereitungen. Ein Komplex von ungefähr 50 Bäumen in mehreren Abständen an diesem Weg vor unserem Urwald strichen wir mit unserer Ködermasse an. Für mich war das ein Reiz in der Nacht beim Schein einer Laterne in dem Wald umherzustreifen, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Vor allen Dingen bringt die Schwüle der Sommernacht den Zauber mit sich. Ich muß hier noch die seltsamen Bilder niederschreiben die ich so miterlebt habe.

Nachdem wir angeködert hatten machten wir erst eine Abendmahlzeit zurecht, denn mit leerem Magen macht es kein Vergnügen die, Nacht zu verbringen. Den ersten Rundgang begannen wir so um 23 Uhr. Ein jeder hatte sein Amt. Ich hatte die Tötungsgläser und die Gebrüder Markus - der eine führte die Lampe der andere tötete - und ich reichte ihm die leeren Gläser zu und sorgte für die Verpackung der getöteten Insekten. Beim Betreten der Waldwege zeigten sich magische Bilder von zauberhafter Schönheit. In den Brombeergebüschen leuchteten kleine grüne, gelbe und bläuliche Lichter auf, auch im Moos und auf den Blättern der Sträucher. Es waren Glühwürmchen. Für mich war das etwas neues, ich nahm mir so 12 Stück mit nach Hause und hatte meine Freude wohl an 4 Wochen lang - sie hielten sich im feuchten Moos in einem Glase tadellos. Dann huschten hin und wieder Mäuse über den Weg und öfters hüpfte etwas aus dem Unterholz, es war die Kröte Bufo vulgaris - manchmal riesige Exemplare. Dann fliegt hin und wieder eine Eule durch die Nacht, auf Raub ausziehend. Nun kommen wir an unsere Köderstelle. Ein fruchtartiger Geruch strömt uns entgegen von der Masse, die wir zwei Handflächengroß in der Höhe von 1 1/2 Meter an den Stämmen angestrichen hatten. Bei uns löste sich eine Bewunderung aus; an der angestrichenen Stelle befinden sich 8 Falter, meistens Eulenarten der Gattung Agrotis. Eine freudige Erregung erfasst uns, die nur derjenige verstehen kann der ein Naturfreund und Liebhaber der bunten Insekten ist. So geht es nun von einem Baum zum andern und immer in aufgeregter Spannung auf die Erfolge. Nach Beendigung unseres ersten Rundganges ziehen wir uns in unsere kleine Laube an der Bahnstrecke zurück, um unsere Beute sicher zu bergen und die Tötungsgläser zu entleeren für den nächsten Gang. So werden mehrere Rundgänge gemacht bis der Morgen graut, denn mit einem Schlag verschwinden die Nachtfalter mit der Morgendämmerung. Nach einem Morgenimbiß geht es im herrlichen Sonnenschein zu der Stelle wo wir des Nachts beim Schein der Laterne umhergeschweift waren. Von den Nachtfaltern sitzen noch hier und da einige, meistens kleine Arten, an den Köderstellen. Später, wenn die Sonne heiß auf den Waldwegen brennt, finden sich an den Köderflecken auch öfters Tagfalter, um an den süßen Resten sich zu laben. Manch schönes Exemplar wird hier und dort erbeutet. Mittags wenn die Ausflügler kommen treten wir die Heimreise an, um zu Hause die seltenen Exemplare aufs Spannbrett zu bringen. So hatten wir mehrere Sonnabende unseren Sport mit guten und geringen Erfolg betrieben, als uns ein furchtbares Unglück auseinander brachte. Es war Ende Juli, der Russe war ohne Kriegserklärung in Ost- und Westpreußen, Schlesien und Ungarn eingefallen, erfolgte am 1. August 1914 die Mobilmachung. Der Krieg brachte für unsere Sammelei ein verändertes Bild. Der Ältere der Gebrüder Richard Markus wurde gleich zu Anfang des Krieges eingezogen. Willy Markus und ich betrieben noch eine Weile den Sport, aber überall mit Hindernissen. Wir hatten uns am Sonnabend nach der Mobilmachung noch einmal einen Köderfang vorgenommen. Als wir die Bäume bestrichen hatten, warteten wir, um den ersten Rundgang in der Dunkelheit antreten zu können. Patrouillen mit Armeepistolen hielten uns an und machten uns auf die Gefahren aufmerksam die uns bevorständen, wenn wir mit Licht im Wald und an der Bahnstrecke angetroffen werden. Wir liefen eben Gefahr als Spione betrachtet zu werden. So mußten wir unser Vergnügen ohne Erfolg abbrechen; was uns beide in die größte Mißstimmung brachte.

Selbst am Tage, wenn wir uns auf einer Wiese oder an der Bahnstrecke der Entomologie widmeten, wurden wir als Spione oder Diebe angesehen; und hatten in dieser Zeit auch einen Zusammenstoß mit einem Gendarmen, welchen wir mit großer Mühe und Zeitverlust abparierten. Der Winter 1914 ging zu Ende, mein Sammelfreund Willy Markus wurde mit in den Krieg hineingerissen als Soldat. Ich war somit allein und konnte jeden Tag auf mein Schicksal gefaßt sein. Den Sommer 1915 brachte ich wenig in der Natur zu. Ich hatte genug Arbeit mit meinen Faltern und Puppenmaterial zu Hause mit Spannen und Bestimmen. So ging das Jahr 1915 zu Ende. Im März 1916 schlug das Schicksal abermals hart zu, ich wurde Soldat und kam nach Krossen an der Oder als Landsturmsoldat. Die Zeit war für mich das Schrecklichste was es überhaupt geben konnte. Erstens die Freiheit, die ein Entomologe in sich fühlt, und zweitens sein Leben auszuhauchen für diesen Krieg. Die erste Zeit als ich Soldat war oder sein sollte, war jeglicher Reiz zur Entomologie wie ausgestorben. Ich hatte keine Gedanken dazu, was ja auch erklärlich ist, denn man konnte annehmen daß, wenn die Sonne ihren höchsten Stand in der Natur einnahm und das Tierleben in voller Blüte stand, man sein Leben jederzeit aushauchen konnte. Ich, als ein freier Mensch in der Natur, kam mir vor wie ein Idiot. Beim Wachestehen - man kam mit keinen Menschen in Berührung - kommt man auf allerlei Gedanken. Eines Tages, es war im Juni, ich hatte außerhalb des Gefangenlagers Posten zu stehen ganz einsam; das Lager lag auf einem Berg, ringsumher lauter Felder, an einer Stelle war ein ein Stück Friedhof wo die Gefangenen beerdigt wurden. Als ich nun so auf und ab patrouillierte, lief mir ein kleiner Rüsselkäfer über den Weg; ich vergaß daß ich hier Soldat war. Der Entomologische Reiz war stärker als alles andere, ich mußte das Tierchen aufheben und bemustern; ich beobachte nun weiter was sich für Insekten auf den Sandwegen verliefen und hatte somit eine Abwechslung in der Einsamkeit. Seit der Zeit erwachten Fünkchen von meinem Natursport in mir. Wenn ich mal frei von der Wache war, durchstreifte ich die Felder - Wald war ein paar Stunden weit entfernt - und beobachtete und studierte was hier so alles vorkam. Auf einer solchen Wanderung liefen mir zwei Exemplare von den großen Laufkäfern (Carabus hortensis) - schöne rötlich grüne Stücke - entgegen; ich suchte mir ein Behälter und verwahrte darin meine Beute. So war der Anfang, trotz meiner Gebundenheit, zum Sammeln gefunden. Eines Nachts hatte ich noch ein schönes entomologisches Schaustück erlebt. Wir mußten ein Trupp Russen vom Bahnhof abholen, es war so um 23 Uhr 30 Ende Juni; wir hatten uns in einem Garten der auf einem Berg lag versammelt und warteten auf den Befehl zum Abrücken. Von dieser Anhöhe zogen sich lauter Büsche hinunter. Als ich mich so in dieses Panorama vertiefte, sah ich einen Funkenregen auftauchen - ich glaubte erst an eine Illusion; als ich aber genauer diese Funken verfolgte, erkannte ich, daß es Käfer waren und zwar Leuchtkäfer der Gattung (Lampyris noctiluca); es war ein wunderbarer Anblick, als Zivilist habe ich solches Schaustück noch nicht gesehen. Ich hätte hier die ganze Nacht verweilen können, aber leider Anfang Juli wurde ich abkommandiert zum Artilleriedepot als Schlosser. Mir war das sehr angenehm. Ich kam nach Küstrin Neustadt und wurde einem dortigen Landsturmbattallion zugeteilt zur Verpflegung und Unterkunft. Ich arbeitete bis 17 Uhr und war dann dienstfrei. Da wir die neue Sommerzeit hatten, konnte ich des Abends etwas entomologische Studien treiben; es war doch etwas besser als das ewige Wachestehen - auch hatte ich den Sonntag frei.

Die Stadt Küstrin war ein kleines eintöniges Nest, aber desto schöner die Umgebung. Die Landstraße nach Tamsel, ein Vorort von Küstrin, hat zu beiden Seiten einen herrlichen Wald, wie er in Berlin nicht zu finden ist; auch die Straße von Küstrin nach Zorndorf hat von beiden Seiten einen wunderbaren Laub- und Nadelwald. Fast jeden Abend ging ich nach dem Wald solange es hell war. Schöne Fangstellen habe ich entdeckt, zum Beispiel: an der Landstraße die nach Zorndorf führt, lag rechts der Schießstand der Pioniere, eine hohe Mauer von 500 Meter Länge zog sich von Wald umgeben entlang. An dieser Mauer, von allerlei Kraut und Moos bewachsen, war meine ständige Stelle wo ich Caraben - meist die kleineren Arten - fand. An dieser Stelle fand ich auch den Schwarzen Bär (Epicallia villica). Die Raupen liefen in Mengen die Mauer hoch um sich hier in den Nischen zu verpuppen. Auch hatte ich einen kolossalen Dunghaufen entdeckt, in demselben wimmelte es von Larven des Nashornkäfers (Oryctes nasicornis). Ich hatte auch entwickelte Käfer gefunden, aber alles Hungerexemplare; beim Männchen war das Horn sehr kümmerlich entwickelt. An anderer Stelle, wo Spähne und Borkenabfälle lagen, dieselben Hungerformen. Im Sommer 1918 hatte ich in einem Eichenwald, unweit Warnick, den großen Eichenbock (Cerambyx cerdo) in großer Anzahl an den Stämmen der Bäume gefunden. Eine Eiche, ein Riesenkoloß, war von Hunderten der Larven durchbohrt und vollständig abgestorben. An Weiden habe ich den Moschusbock (Aromia moschata) gefunden - zahlreich. Auch Blatthäfer (Crysomela gramines) entdeckte ich in solcher Mange, daß ich wohl an mehrere hundert Exemplare mitgenommen habe. Rötlich und grüngoldig glänzten sie in der Sonne. In noch viel größeren Mengen waren im Wald, vor dem Ort Tamselder, Blattkäfer (Crysomela fastuosa) auf den Taubnesseln vertreten; an einem Büschel saßen an 50 solcher Käfer und ein Teil dieses Waldes war bedeckt mit diesen Nesseln. Es funkelte und blitzte im Sonnenlicht von diesen ungeheuren Mengen.

Ich hatte nun in dieser Gegend dreimal den Sommer erlebt, nun der Sommer 1918 war der letzte in dieser Gegend. Im November wurde ich erlößt. Ich konnte für immer zu Hause bleiben, doch werde ich manchmal in der Sommerzeit meine Gedanken nach diesen Waldgebieten zurückschweifen lassen, als Erinnerung an meine entomologische Studien. Habe erst Nachforschungen nach meinen Sammelfreund Willy Markus gehalten. Er ist mit heilem Körper davongekommen. Sein Bruder ist nicht zurückgekehrt, er gilt als vermißt in diesem Kriegsgetümmel. Im März besuchten wir Eichwalde. Es ist noch alles beim Alten hier, nur der Erlenbruch ist ausgetrocknet und teilweise abgeholzt. Wir haben bis 15. Mai speziell nach Birkenspinner (versicolora) gesucht, aber nicht ein Stück war zu finden. Als wir eines Sonntages in unserem Gebiet am Graben nach Melitaea-Scheckenfaltern suchten, lernten wir einen Sammelkollegen kennen, einen jüngeren aber sehr eifrigen Sammler mit Namen Waschke. Wir lernten uns näher kennen und es entwickelte sich eine große Freundschaft zwischen uns drei. Durch ihn lernten wir noch neue Fangstellen kennen, die uns manche Neuigkeit auf entomologischen Gebiet brachte. Im Mai waren wir nach Wandlitzsee wegen Nagelfleck (Aglia tau); wir hatten 8 Männchen erbeutet, es war dieses Jahr nicht viel los. In unserem Grünauer Gebiet waren an Raupen Brombeerspinner (Macrothlacia rubi) sehr zahlreich, und Kleespinner (Pachygastria trifolii) auch häufig zu finden. Mehrere Nester mit zahlreichen Raupen von Wollafter (Eriogaster lanestris) haben wir erbeutet, dann viele Raupen vom Ringelspinner (Malacosoma neustra). Ein Nest vom Trauermantel (Vanessa antiopa) - ziemlich erwachsen, mehrere Raupen von der Heidekrauteule (Anarta myrtilli) hatten wir gefunden; von (myrtilli) sind viele Raupen eingegangen. Zwischen Johannistal und Adlershof ist eine Wiese mit viel Beifuß; eines Sonntags hatten wir jeder an 3 Dutzend Beifußmönche (Cucullia artemisiae) Raupen erwachsen gefunden, sind aber sehr viele eingegangen. Auch der kleine Fuchs (Aglais urticae) war dort an Nesseln sehr zahlreich. Raupen vom Tagpfauenauge (Vanessa io) waren sehr viele Nester vertreten. Am Graben fanden wir an Weißdorn zahlreich Raupen vom Baumweißling (Apora crataegi). Raupen vom Kleinen Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia) waren sehr wenig; ich habe im ganzem Gebiet mehrere Sonntage mit Familie nach pavonia Raupen gesucht, das Ergebnis war 6 Stück. Von Schwärmerraupen waren zahlreich vertreten: Pappelschwärmer (Laothoe populi), Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri), sehr spärlich Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata). Von Wolfsmilchraupen hatte ich eine Stelle entdeckt wo einige Exemplare vertreten waren, sonst waren sie nicht zu finden. Das erste Mal in diesem Herbst habe ich den mittlern Weinschwärmer (Deilephila elpenor) zahlreich in Grünau - ein großes Gebiet mit Weidenröschen gefunden. Raupen (Arctia caja) Brauner Bär waren sehr rar. An Faltern hatten wir viele Scheckenfalterarten entdeckt, auch Feuerfalter waren zahlreich, und Perlmuttfalter. Kaisermantel nicht so häufig. Von (dominula) hatten wir jeder ein Stück erbeutet; habe ich früher hier nicht gefunden. Falter vom Trauermantel (Vanassa antiopa) sehr selten und vom Admiral (Vanessa atalanta) gar nicht beobachtet. An einer Stelle im Kiefernwald nach Bohnsdorf war der Kiefernspinner (Dendrolimus pini) so zahlreich vertreten, daß die Raupen zu Hunderten an den Bäumen vertreten waren. Raupen und Puppen waren zum Glück meistens angestochen.

In Eichwalde machten wir 4 Mal Köderfang und hatten jeder 12 Falter von den größere Arten, meistens Eulenarten. Waschke und ich machten 2 Mal Lichtfang, aber ohne Erfolg. Das war nun der Schluß im ersten Jahr nach dem Krieg.

Im Februar-März schlüpften im Puppenkasten:

Es ist immer ein herrlicher Anblick wenn die Entwicklung der Puppe zu Ende geht. In der letzten Phase leuchten die bunten Flügel, die Augen und der Körper des Schmetterlings durch die Puppenhaut. Das heißt, daß die Puppe bald platzt. Der geschlüpfte Schmetterling läuft zuerst unruhig hin und her und sucht eine geeignete Stelle an der er sich festsetzen kann, daß die Flügel frei hängen können. Durch eine Art Pumpen - wobei die Flügeladern mit Luft gefüllt werden - nicht mehr als 10-15 Minuten und wartet noch 1-2 Stunden, bis sie ausreichend steif geworden sind. In diesem Augenblick erreicht der Falter seine endgültigen Ausmaße und wächst nicht mehr.

11. Juni 1920. Mit meinem Sammelfreund Kurt Waschke die erste große Exkursionsreise in die Dubro unternommen, ins Hirschkäfergebiet. Wir haben mehrere Männchen und Weibchen erbeutet. Es gibt wohl kaum eine Zeit, in der man leichter Hirschkäfer beobachten kann als kurz vor einem Junigewitter. Die Luft, die uns schlapp und müde macht, ist offenbar den Hirschkäfern Voraussetzung für ihre Aktivität. Bis Mitte Juli kann man sie beobachten, wenn sie die Eichenstämme hoch und runter klettern. 1924 haben wir schon am 1. Juni bei schönem warmen Wetter 9 Hirschkäfer (Lucanus cervus) - Männchen und Weibchen - gefunden.

Am 29. August mit Kurt Waschke eine Sammeltour nach Blankenfelde unternommen. Wir fanden ein paar Abendpfauenaugen auf Weide. Admirale waren zahlreich vertreten, wir hätten mehrere Dutzend mitnehmen können. Die Raupen vom Beifußmönch waren geradezu gemein, soviel haben wir noch nicht gesehen.

An der Bahn nach Eichwalde am 12. Sept. noch 3 Raupen vom Zickzack (Notodonta ziczac) gefunden und mehrere Spannerraupen und an Weide ein Abendpfauenauge.

6. Nov. Das Aquarium am Berliner Zoo besucht. Machte die Bekanntschaft des Insektenwartes und kaufte für 6 Mark zwei Wandelne Blätter - ziemlich große. Ich verkaufte ihm Falter für 40 Mark. Die Tiere fütterte ich mit Erdbeeren. Sie fressen und scheinen sich zu halten.

11. Dezember. Meine beiden Wandelnden Blätter aus dem Aquarium sind eingegangen, wahrscheinlich wegen den Temperaturschwankungen und Futtermangel.

14./15. Mai. In Freienwalde ein Weibchen von (Aglia tau) Nagelfleck gefunden, aber stark abgeflogen; hat zu Hause noch 12 Eier abgelegt. Am 23. Mai sind die ersten Raupen geschlüpft.

31. Mai 1921. Einen Ausflug in die Dubro gemacht wegen Hirschkäfer. Ein herrlicher Tag mit Sonnenschein. Das Eldorado ist in der Schonung bei den Reiherhorten. In den großen Eichenstümpfen, die dort in Mengen vorhanden sind, ist die Hauptbrutstelle in der ganzen Dubro. Ich konnte nicht so schnell abtöten, als ich Hirschkäfer gefunden hatte. Sie kamen direkt zu Dutzenden aus der Schonung herausspaziert, ein herrlicher Anblick. Es waren ebensoviel Weibchen wie Männchen vertreten.

5. Juni. Ich bin die Nacht durchmarschiert und war schon um 4 Uhr früh in die Dubro. Bei herrlichem Wetter wartete ich auf die braunen Ritter des Waldes. Pünktlich um 9 Uhr kamen die Hirschkäfer zum Vorschein. Man konnte an manchem Eichenstamm, wo der Saft ausfloß, bis zu 4 Exemplare absammeln. An einem wilden Rosenstrauch in der Schonung saßen die Rosenkäfer zu Hunderten. Ich nahm ein paar mit.

3. Dezember. Habe für die Schule, in die meine Tochter geht, 4 Insektenkästen renoviert und zwar: 1 Kasten mit Käfern, 1 Kasten mit Tagfaltern, 1 Kasten mit Nachtfaltern und 1 Kasten mit biologischen Schaustücken. Habe 4 Wochen damit zugebracht und für den wissenschaftlichen Unterricht der Schule gestiftet.

Meine Sammlung umfaßt jetzt 12 Kästen 40x30 mit Faltern der Lokalfauna, 6 Kästen 32x27 mit Käfern aus der Umgebung Berlins.

14. April 1922. Mit meiner Tochter (12 Jahre) einen Ausflug nach Schmöckwitz und Gosener Berge gemacht. Es war ein wunderbares Wetter, 35 Grad in der Sonne. In der Birkenallee flogen zahlreich Spanner (Archiearis parthenias) Großes Jungfernkind, aber nur von 8-11 Uhr am Boden sitzend; nahm mehrere mit, auch Bärenraupen; an Holzstößen waren Zimmermannsböcke in Mengen vertreten.

21. August. Bin in Treptow gewesen, wegen Ligusterraupen. Habe an einem Jasminstrauch auf einem Holzplatz 60 erwachsene (Sphinx ligustri) gefunden, in meiner Sammeltätigkeit eine Seltenheit.

31. Dez. 1923.Meine Waldmaus ist gestorben. Ich habe sie 3 1/4 Jahr in Gefangenschaft gehalten und sie ist sehr zahm geworden (Mus sylvaticus).

14. Feb. 1924. Waschke und ich haben jeder eine Kollektion Insekten für das Märkische Museum gestiftet, welches mit großer Freude auf genommen wurde. Auf einem Laubengelände in der Weserstr. habe ich 45 Stachelbeerspanner gefunden (Abraxas grossulariata).

4. Sep. Eine Tour nach Strausberg gemacht. An Labkraut fand ich 2 Raupen vom Porzellanspinner, den kleinen Weinschwärmer und ein Paar Wolfsmilchschwärmer. Sonst nichts von Bedeutung.

11. Sep. Nochmal in die Dubro gewesen. Es war ein Tag der Weinschwärmer (Deilephila elpenor) Ich habe 3 Dutzend mitgenommen. Ich habe bis heute 75x die Dubro besucht.

30. Dezember 1929. Zum Schluß des Jahres habe ich eine Tour nach Strausberg gemacht. Ich habe mittags am Waldesrand in der Sonne gesessen. Es war so schön wie im Frühling. Habe mir Becherflechte und Moose geholt, für eine Vitrine für Kolibris.

Ich werde für dieses Jahr schließen, auf ein neues Glück im kommenden Jahr.

Berlin 1929 Hermann Kubusch