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Schmetterlinge (Lepidoptera)

Genitalpräparation bei Schmetterlingen

von Lutz Stiesy (†) ergänzt durch René Ressler

1. Beschaffung der Grundausrüstung

Unabhängig davon, welche Schmetterlingsfamilien im Einzelnen genitaliter untersucht werden sollen und vorausgesetzt, dass entsprechende optische Ausrüstung vorhanden ist, sind die jeweiligen Materialien zum Teil in Apotheken jedoch in jedem Falle in naturwissenschaftlichen Handlungen zu erhalten.

Er werden benötigt:

  • mehrere Petrischalen
  • normale Objektträger
  • Objektträger mit Vertiefung
  • Kalilauge (Verdünnung kann man selbst mit Wasser vornehmen)
  • Alkohol (Ethanol evtl. Propanol und Xylol), 70 und 90%ig
  • Färbemittel (nicht immer notwendig), z.B. Fuchsin oder Chlorazol-schwarz
  • Einbettungsmittel, z.B. Euparal oder Kanadabalsam
  • spitze Pinzette
  • Skalpell
  • spitze Schere

Außerdem müssen noch Reagenzgläser mit Stativ und ähnliches Gerät angeschafft werden.

2. Vorbereitung

Abdomen mit einer spitzen Schere abtrennen. Bei Männchen etwa die Hälfte, bei Weibchen rund 2/3 des Hinterleibes. Wichtig: Schon jetzt sind Falter und Abdomen mit einer gleichen Nummer zu versehen, um unter allen Umständen Verwechslungen zu vermeiden.

3. Mazeration

Zur Ablösung von Fett- und Muskelgewebe, von Borsten, Haaren und Schuppen von den chitinisierten Genitalteilen wird das Abdomen mit verdünnter Kalilauge – 5-20%ig, je nach Größe des Falters – behandelt. Es gibt dabei zwei Methoden:

  • 24 Stunden einweichen.
  • Mehrmals ca. 3 bis 5 Minuten im Reagenzglas über einer Kerze (z.B. Teelicht) oder Spiritusflamme aufkochen.

Die Lauge verfärbt sich dabei mehr oder weniger braun. Hat sie zu lange eingewirkt, werden die Chitinteile zu sehr aufgehellt und müssen später gefärbt werden. Bei zu kurzer Behandlung lässt sich das Präparat nicht vollständig säubern.

4. Wässerung und Präparation

Nach der Mazeration wird das Objekt mit einer spitzen Pinzette der Lauge entnommen und in einem Schälchen mit destilliertem Wasser gespült. Leitungswasser tut es auch. Jetzt werden zweckmäßigerweise mit Unterstützung einer Lupe bei größeren Arten bzw. der Stereolupe bei kleineren Arten die Weichteile und Borsten von den Genitalarmaturen getrennt. Man bedient sich dazu zweier Präpariernadeln oder des Skalpells. Mit einem Pinsel werden die Genitalien abgebürstet und dann ausgebreitet.

5. Färbung

Bei kleinen Präparaten haben sich die Konturen durch die Behandlung in der Kalilauge oft zu stark aufgehellt. In diesen Fällen müssen sie gefärbt werden. Auch bei weiblichen Genitalien ist dieses Vorgehen häufig nötig. Dazu gibt man einige Tropfen des Färbemittels (Fuchsin, Chlorazol-schwarz, o.ä.) in eine Petrischale mit 70%igem Alkohol. Nach etwa 20 Minuten ist der Färbevorgang abgeschlossen. Die Flüssigkeit wird weg gegossen, mit weiterem Alkohol der gleichen Konzentration müssen überschüssige Farbreste ausgespült werden.

6. Herstellung des Präparates

Die weitere Bearbeitung des Präparates ist abhängig vom Verwendungszweck. Will man nur den jeweiligen Falter sicher determinieren, so wird wie folgt verfahren:

  • Übertragung des gegebenenfalls gefärbten Objekts auf einen Objektträger mit Vertiefung. Einweichen in einem Tropfen Alkohol. Entfernung möglicherweise noch vorhandener Reste von Weichteilen von dem Genitalpräparat.
  • Ausbreitung des Genitals und Vergleich mit entsprechenden Abbildungen
  • Aufkleben des Präparats auf einem Kartonblättchen ähnlich dem Fundortzettel mit wasserlöslichem Leim (Insektenleim), damit später bei Bedarf ein Ablösen und Nachdeterminieren möglich ist.
  • Vorteil: Das Genital bleibt beim Falter. Nachteil: Bei etwaiger Nachdetermination ist eventuell eine zusätzliche Behandlung nötig. Die fotografische Dokumentation des Präparates ist m.E. nicht möglich.

Für die Anfertigung eines Dauerpräparates, wie sie notwendig ist, wenn die entsprechende Spezialliteratur nur schwer zugänglich ist, Genitalzeichnungen für die Publikationen angefertigt werden sollen oder wenn das Genitalpräparat fotografiert werden soll, ist eine andere Methode zu wählen:

  • Nach dem Bad in 70%igem Alkohol erfolgt ein weiteres Bad in 90%igem Alkohol. Dieser dient als Härter und entzieht dem Präparat die letzten Wasserreste. Das Bad dauert etwa 10 Minuten. Um die Entwässerung wirklich ganz abzuschließen kann auch noch ein Bad in reinem Propanol (Propylalkohol, Iso-Propanol) und ein abschließendes in Xylol (Xylol-Propanol-Mischung) erfolgen.
  • Auf einem Objektträger wird ein Tropfen des Einbettungsmittels (Euparal, Kanadabalsam o.ä.) aufgebracht und das Genitalpräparat darin ausgebreitet. Nach Bedarf wird es auch geteilt bzw. die Einzelteile werden in dem Einbettungsmittel verteilt. Nach Aufbringen des Deckgläschens (erst schräg halten und dann langsam hinlegen) muss das Präparat über einer Kerzenflamme entlüftet werden. Das ist besonders bei großen Präparaten notwendig, die aufgrund ihrer Dicke sehr viel Einbettungsmittel erfordern, das dann oft ungleichmäßig verteilt ist.

Zum Schluss einige Empfehlungen

Die Herstellung von Genitalpräparaten ist nicht schwierig, aber wie jede Tätigkeit, die eine gewisse Geschicklichkeit erfordert, mit Übung verbunden.

Keiner sollte also verzweifeln, wenn die ersten Präparate nicht gleich gelingen. Nach hundert Präparaten hat man den Bogen raus und weiß wie man präparieren muss. Viel wichtiger ist, dass man für die Bestimmung der Art die vollständige Literatur zur Verfügung hat. In allen anderen Fällen muss man sich mit seinen Präparaten an den Spezialisten wenden.

Für die Materialbeschaffung sei an dieser Stelle auf unsere Links zu Entomologiebedarfshandlungen verwiesen. Dort bekommt man eigentlich alles. Was die Chemikalien angeht, so sei empfohlen dort selbst anzurufen, da nicht alle Chemikalien immer im Internet gelistet sind. Jeder sollte jedoch selbst ausprobieren, mit welchen Materialien er am Besten hinkommt.

Literatur:
PIECHOCKI, R., HÄNDEL, J. (1996): Makroskopische Präparationstechnik, Teil 2, Wirbellose. Heidelberg (Spektrum Akademischer Verlag)
STIESY, L.: schriftliche Mitteilung vom 22.10.1985