Der Senfweissling und sein Nachfolger in Berlin und Brandenburg

Leptidea sinapis ( Linnaeus, 1758) und
Leptidea reali ( Reissinger, 1989) Syn.: lorkovici Real, 1988 (ungültiges Homonym)

Allgemeine Situation

Die Senfweisslinge (Dismorphiinae) sind in Europa durch vier Arten der Gattung Leptidea Billberg, 1820 vertreten, die bei sympatrischem Vorkommen nur schwer zu unterscheiden sind. Leptidea sinapis L. ist in Europa allgemein verbreitet. Nachdem die Artverschiedenheit der Taxa Leptidea sinapis L. und Leptidea reali Reissinger zweifelsfrei geklärt werden konnte (Karsholt 1999, Freese & Fiedler 2002), wird auch Leptidea reali Reissinger aus den meisten Ländern gemeldet.

In Deutschland ist Leptidea sinapis L. aus allen Bundesländern nachgewiesen. Bei Leptidea reali Reissinger stehen die Nachweise für einige Bundesländer noch aus.

Ole Karsholt vom Zoologischen Museum in Kopenhagen wies bei seinen Recherchen zu Taxonomie und Nomenklatur beider Arten nach, dass die bisher in Dänemark verbreitete Art Leptidea sinapis L. seit etwa 1980 aus Dänemark verschwunden ist. Leptidea reali Reissinger ist dort heute noch nachgewiesen.

Forschungsarbeit

Über 750 durch Genitalpräparate determinierte Exemplare wurden insgesamt von Otfried Woelky der richtigen Art zugeordnet. Das Material stammt aus mehreren Privatsammlungen und vom Naturkundemuseum Berlin und umfasst Fundorte aus ganz Europa. Mit Präzision und Ausdauer hat sich Otfried Woelky dieser Aufgabe gewidmet. Anerkennende und lobende Worte kamen von den Mitgliedern des Vereins.

Fundorte in Berlin und Brandenburg

Beim Studium von 105 Leptidea sinapis L. und 156 Leptidea reali Reissinger  durch Genitalpräparate determinierte Tiere aus Berlin und Brandenburg ergaben sich folgende Erkenntnisse:

  • Leptidea sinapis L. kam bis 1972 als einzige Art der Gattung in unserem Gebiet vor.
  • Leptidea reali Reissinger wurde in Brandenburg 1973 erstmals in der Umgebung Berlin gefangen.
  • Leptidea sinapis L. ist heute (nach 2000) nur noch von wenigen Orten Brandenburgs rezent nachgewiesen.
  • Leptidea reali Reissinger ist heute (nach 2000) im Gebiet allgemein verbreitet.

Fundorttabelle für L.sinapis für die Mark Brandenburg und Europa
Fundorttabelle für L.reali für die Mark Brandenburg und Europa
Fundortkarte für L.sinapis und L.reali für die Mark Brandenburg

Leptidea in Bildern:
sinapis
reali
Genitalabbildungen

Literatur / Auswahl

Embacher, G. (1996) Beitrag zur Verbreitung und Biologie von Leptidea sinapis (Linnaeus, 1758) und Leptidea reali Reissinger,(1989) (Lep.: Pieridae, Dismorphiinae)
Freese, A. & Fiedler, K. (2002): Experimental evidence for specific distinctness of the two wood white butterfly taxa, Leptidea sinapis and Leptidea reali (Pieridae). Nota lepid. 25 (1): 39-59.
Gaedike, R.& Heinicke, W. (Hrsg.) (1999): Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands. Entomofauna Germanica Bd. 3, ENB Beih. 5. 216 Seiten.
Gelbrecht, J. et al. (2001): Gesamtartenliste und Rote Liste der Schmetterlinge des Landesnaturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg, Beilage zu Heft 3, 62 Seiten (L. reali fehlt noch).
Gerstberger, M. & Woelky, O. 2004: Die Tagfalterarten Leptidea sinapis (Linnaeus, 1758) und Leptidea reali Reissinger, 1989 in Berlin und Brandenburg. Märkische Ent. Nachr. 6 (1) : 29-32
Karsholt, O.(1999): Dagsommerfugleslaegden Leptidea Billberg i. Danmark. Lepidoptera 7 (8): 237-249.
Karsholt, O. & Razowski, J. (1996): The Lepidoptera of Europe. A distributional checklist. Apollo Books, Stenstrup / Dänemark, 380 Seiten.
Lastuvka, Z. & Kralicek, M. & Jakes, O. & Sterba, V. (1995): Leptidea reali – eine neue Weissling-Art in der Tschechischen Republik und in der Slowakei (Lep.: Pieridae). Klapalekiana 31: 35-39.
Segerer, A. (2001): Beitrag zur Genitaldiagnose einiger bayerischer Tagfalterarten unter besonderer Berücksichtigung der Weibchen. Beitr. Z. bayerischen Entomofaunistik 4: 5-25.

Faunistische Angaben zu L. sinapis bis etwa 1975

Hufnagel, Johann Siegfried (1766, Berlin & Umgebung) : Nicht selten
Pfützner, Julius (1891, Brandenburg) : Gemein
Bartel, Max & Herz, Arthur (1902, Berlin & Umgebung) : Ziemlich häufig
Chappuis, Ulrich von (1942, Brandenburg) : Im Rückgang begriffen, recht einzeln, lokal (Strausberg) häufig
Stöckel, Karl (1955, Brandenburg) : Lokal und lückenhaft weit verbreitet
Cleve, Karl (1970, Berlin) : "Ab und zu" (lokal) im Spandauer Forst
Haeger, Erich (1976, Brandenburg) : Weit verbreitet, ohne Häufigkeitsangabe

Nach Stöckel ist L. sinapis "... ein ausgesprochenes Waldtier... in üppigen Flachmoor-Laubwäldern, lichten Mischwäldern und seltener in reinen Kiefernwäldern ... Die Stellen des Vorkommens sind meist nur von ganz geringer Ausdehnung, auch ist die Art recht sesshaft......“

Nach dieser Beschreibung ist der beobachtete Rückgang der Art (v. Chappuis, 1942) schlüssig mit der Dezimierung entsprechender Biotope in Brandenburg erklärbar.

Die Herkunft der L. reali ist unbekannt. Altere Sammlungsbelege aus dem weiteren Umfeld Brandenburgs liegen vor (Fangjahr) aus:

  • Oberbayern (1921),
  • Chemnitz/Sachsen (1907),
  • Tirol/Osterreich/Italien (?) (1882),
  • Siedlez/Siedlce östl. Warschau/Polen (1892),
  • Digne/Frankreich (1903).

Belege in den Sammlungen des Museums für Naturkunde (Berlin) (det. 0. Woelky) und des Museums für Tierkunde (Dresden) (nach Nuss et al.). Die Besiedlung Brandenburgs aus einer bestimmten Himmelsrichtung ist nach diesen älteren Verbreitungsnachweisen nicht abzuleiten. Immerhin lassen jedoch die Fundorte auf eine montane Dominanz des Belegmaterials schließen.


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