Ringelspinner der Gattung Malacosoma in Berlin u. Brandenburg
von Bernd Schulze
Ringel - Spinner ( Mal. neustria
L.):
Wolfsmilch - Spinner ( Mal. castrensis L.):
Frankfurter Ringelspinner - Queckenspinner (
Mal. franconicum
D.&S.)
Ringel - Spinner ( Mal. neustria L.):
Wie bei den weiteren zwei im Gebiet vorkommenden
Arten fallen dem Naturbeobachter überwiegend die im Frühjahr in Nestern
zusammen lebenden Raupen auf, die sich dann bis zum Frühsommer
vereinzeln. Die Art lebt an verschiedenen Laubgehölzen und verursacht
gelegentlich Kahlfraß auch zusammen mit den Raupen von Goldafter (
Euproctis chrysorrhoea) und/oder Baumweißling (Aporia
crataegi) an
Allee-Obstbäumen ( Pflaume - Seeburg 1994 u. Apfel - Neuruppin 2004)
und manchmal an Weißdornhecken in Gärten.. Eher zufällig entdeckt man
die meist zwischen Blättern eingesponnenen Kokons, die unscheinbaren
Falter oder die typisch ringförmig um dünne Zweige abgelegten Eier.
|

|

|

|
Ringelspinner
♂
Malacosoma neustria L. Italien-Venetien
Val di Resia, Sella Guivizza, e.l. 28.07.1995 O.Woelky |
Ringelspinner
♂
Malacosoma neustria L. Dänemark, Lodbjerg Hede
L.F. 07.08.1984 leg. O. Woelky |
Ringelspinner
♀
Malacosoma neustria L. Italien-Venetien, Val di Resia, Sella
Guivizza, e.l.28.07.1995 O.Woelky |
|

|

|

|
| die Raupen leben gesellig , bis sie fast ausgewachsen sind |
die Raupe des Ringelspinners
Malacosoma neustria L. |
ausgewachsene Raupe des Ringelspinners
Malacosoma neustria L. |

Wolfsmilch - Spinner ( Mal. castrensis L.):
Im Gegensatz zur vorgenannten kulturaffinen Art kommt der Wolfsmilch
- Spinner vorwiegend im trocken warmen Ödland vor und ist besonders auf
ehemaligem Militärgelände Brandenburgs häufig , entsprechend selten o.
verschollen in Berlin wegen Mangel an ähnlichen Biotopen ( früher z.B.
Müggel- Berge, Gosen , Spandauer Forst). Die auffallenden Raupennester
sind im Frühjahr an den verschiedensten niederen Pflanzen, wie z.b.
Wolfsmilch, Beifuß und Storchschnabelarten zu finden. Die fast
erwachsenen 4-5 cm langen Raupen verteilen sich später bis zum
Frühsommer im Gelände.
|

|

|

|
Wolfsmilchspinner
♂
Malacosoma castrensis L. Fränkische Schweiz,
Pottenstein, e.l. 08.07.1971 O. Woelky |
Wolfsmilchspinner
♀
Malacosoma castrensis L. Fränkische Schweiz, Pottenstein, e.l.
119.07.1977 O.Woelky |
Wolfsmilchspinner Zwitter, links
♀, rechts
♂
Malacosoma castrensis L. Dänemark, Vejlby Klit,
e.l. 13.07.1994 Otfried Woelky |
|

|

|

|
ausgewachsene Raupe des Wolfsmilch Spinners
Malacosoma castrensis L. |
der Kopf, ein gutes Merkmal zur Artbestimmung vom Wolfmilch
Spinner Malacosoma castrensis L. |
erwachsene Raupe des Wolfmilch Spinners
Malacosoma castrensis L. |
| |

|
|
| |
ein Biotop für den Wolfmilch Spinner im Nordwesten
Brandenburgs
Malacosoma castrensis L. |
|

Frankfurter Ringelspinner - Queckenspinner ( Mal. franconicum
D.&S.1774)
mit Beobachtungen während eines
periodisch gehäuften Vorkommens in Nordwest- Brandenburg 2004
Die bei weitem wenigsten Fundorte im Gebiet sind von dieser Art
bekannt. Sie besiedelt allgemein die selben Biotope wie Mal. castrensis
und ist dieser auch im Erscheinungsbild von Raupe und Falter ähnlich.
Die Seltenheit kann mit weiteren oder höheren Ansprüchen an das
Kleinklima und den weit auseinander liegenden geeigneten Freiflächen,
aber besonders auch der geringen Mobilität der Weibchen, erklärt werden.
Die Raupen erscheinen früher im Jahr als die von Mal. castrensis,
entsprechend auch die Falter. Da die Raupen beider Arten sich sehr
ähneln, kann man vermuten, dass franconicum z.T. in diesem
Entwicklungsstadium übersehen bzw verwechselt wurde/wird.
Als Futterpflanzen konnten im Gelände großer und kleiner Sauerampfer,
Miere, bodennahe Brombeerranken, Reiherschnabel u. andere Geranium
-Arten, Gras/Quecke, Feldbeifuss Sandstrohblume und Schafgarbe
beobachtet werden, hingegen fraßen die Raupen nie an Spitz-Wegerich (
siehe versch. Literaturangaben) o. sog. Stickstoffanzeigern und nur
einmal an Wolfsmilch.
Als im Gelände brauchbare Unterscheidungsmerkmale der Raupen
gegenüber denen von Mal. castrensis konnten ermittelt werden:
- konstante:
Raupenkopf einfarbig schwarz/schwarzbraun (Mal. castrensis : hell
blaugrau, mit bds. einem schwarzen Fleck, Farbhelligkeit ähnlich
dem Seitenstreifen)
- variable o. unsichere (auch entwicklungsabhängig):
blauer Seitenstreifen schmaler, Behaarung deshalb bei Aufsicht
gelblich erscheinend, bei Mal. castrensis grau. Es überwiegt Braun
im Gesamteindruck der Raupe, Mal. castrensis wirkt durch mehr Blau
bunter. Schlüpftermin der Raupen einige Wochen vor Mal.
castrensis.
Futter anfangs bevorzugt Sauerampfer oder Feldbeifuss, bei Mal.
castrensis eher Wolfsmilch und andere . Verwechslungen
mit Mal. neustria- Raupen sind aufgrund der unterschiedlichen
Zeichnung und des Habitats unwahrscheinlich.
Die Falter sind (überwiegend?) tagaktiv. Sie kopulieren vormittags
kurz nach dem Schlüpfen der Weibchen zwischen 11h u. 13 h. Die
Kopula dauert bis zu wenigen Stunden, danach beginnt das Weibchen
mit der Eiablage.
Die Ei - Ringe sind meist bräunlich, seltener
schmutzig-weiß. Die bräunliche Färbung kommt durch einen Überzug aus
überschüssigem hochgradig feuchtigkeitsresistentem
Ei-Verklebungsmaterial zustande (Wetterschutz?). Gelege konnten im
Gelände 5cm über dem Erdboden an Feldbeifuss (einmal zwei an einem
Stängel) beobachtet werden.
|
 |
 |

|
Frankfurter Ringelspinner
♂
Malacosoma franconicum D.&S. Istrien, e.o.
10.06.1980
leg. Otfried Woelky |
Frankfurter Ringelspinner
♀
Malacosoma franconicum D.&S. Istrien, e.o. 12.06. 1980
leg. Otfried Woelky |
Frankfurter Ringelspinner
♂
Malacosoma franconicum D.&S. Istrien, e.o.
10.06.1980
leg. Otfried Woelky |
|

|

|

|
Frankfurter
Ringelspinner in copula
Malacosoma franconicum D.&S. |
Frankfurter Ringelspinner mit Teilablage der Eier
Malacosoma franconicum D.&S. |
Frankfurter Ringelspinner
♂
Malacosoma franconicum D.&S. |
|

|

|

|
| wie alle Ringelspinnerarten, legt auch der Frankfurter
Ringelspinner seine Eier ringförmig um einen Stängel |
Eier des Frankfurter Spinners im Nahbereich
Malacosoma franconicum D.&S. |
die Jungraupen leben gesellschaftlich auf einem lockeren
Gespinst - Standort wechselt laufend |
|

|

|

|
Seitenansicht des Frankfurter Spinners
Malacosoma franconicum D.&S. |
Fundstelle und Biotop des seltenen Frankfurter Spinners im
Nordwesten Brandenburgs |
erwachsene Raupe des Frankfurter Spinner
Malacosoma franconicum D.&S. |

|