Mikropräparation von Flöhen
von René Ressler
1. Beschaffung der Grundausrüstung
In jedem Fall sollte Ihnen neben einem
Durchlichtmikroskop bzw. einem Stereomikroskop mit Durchlicht auch eine entsprechende
materielle Ausrüstung zur Verfügung stehen.
Er wird benötigt:
normale Objektträger
Deckgläschen
Blockschälchen oder Schnappdeckelgläser
Pipette
Federstahlpinzette
8-20%ige Kaliumhydroxidlösung (Kalilauge)
Ethanol (70, 80, 96%ig)
Propanol (Iso-Propanol, Propylalkohol, Iso-Propylalkohol) 100%ig
Xylol, 100%ig (nur bei Verwendung von Kanadabalsam)
Einschlussmittel (z.B. Euparal oder Kanadabalsam)
Spiritusbrenner oder Teelicht
2. Vorbereitung
Die Flöhe werden im besten Fall nach dem Fang in
Alkohol (70%) aufbewahrt. Eine Zeit lang kann dies auch in Wasser
geschehen. Sollten das Objekt auf einem Plättchen festgeklebt worden
sein (wasserlöslicher Kleber), so können sie dieses Plättchen so wie es
ist in die Kaliumhydroxid-Lösung (siehe Mazeration) geben. Warten Sie bis sich der Floh
abgelöst hat und entfernen sie das Plättchen nach dem Ablösen aus der
Kalilauge. In keinem Fall sollten Sie selbst versuchen ihn mit der Pinzette o.ä.
abzulösen, da das Tier hierbei Schaden nehmen kann.
3. Mazeration
Zur Bestimmung der Flöhe ist es meist unerlässlich, dass
diese mazeriert (entfärbt) werden. Nur so ist es z.B. möglich die
Anzahl der Ctenidien (Borsten) zu ermitteln oder die Genitalien sehen zu
können.
Hierzu überführen sie den Floh mit der
Federstahlpinzette in eine 8-20%ige Kaliumhydroxid-Lösung. Dort
verbleibt er 24 bis 48h. Kontrollieren sie zwischendurch immer wieder,
ob der gewünschte Aufhellungsgrad bereits erreicht ist. Eventuell
verlängern oder verkürzen sie die Mazeration. Je konzentrierter die
Kalilauge ist, desto kürzer ist die benötigte Zeit und umgekehrt. Als Behälter eignen
sich Blockschälchen. Ich selbst verwende beschriftete
Schnappdeckelgläschen von geringem Volumen.
4. Färben
Ist das Präparat der Kalilauge zu lange ausgesetzt,
kann es passieren, dass dieses zu hell geworden ist. Ist dies der Fall, wird eine
Färbung nötig. Diese sollte möglichst vor der Entwässerung stattfinden. Es gibt die unterschiedlichsten Färbereagenzien. Welches benutzt werden soll, ist meist eine Frage der Gewohnheit. In jedem Fall sollte es Chitin färben können. Hier wären z.B. Fuchsin und Chlorazol-schwarz zu nennen.
5. Entwässerung
Zwischen jedem der folgenden Schritte sollten sie die
Tiere auf eine saugende Unterlage legen (Zellstoff, Küchenrolle,
Toilettenpapier o.ä.). Dies mindert die Verunreinigung der
Chemikalien, welche sie somit öfter verwenden können.
Nach der Mazeration oder eventuellen Färbung wird das
Objekt mit der Federstahlpinzette entnommen. Damit daraus ein
Dauerpräparat werden kann, muss das Präparat noch entwässert werden.
Hierzu wird es in 70%iges Ethanol (Ethylalkohol) überführt. Um sicher zu gehen, dass die Objekte richtig entwässert wurden, sollten sie dieses über Nacht im Ethanol belassen. In der Literatur sind unterschiedliche Zeiten von 30min bis zu 24h pro Stufe angegeben. Überführen sie den Floh in der angegebenen Reihenfolge in
folgende Stufen:
-
70%iges Ethanol
-
80%iges Ethanol
-
96%iges Ethanol
-
100%iges Propanol (Iso-Propylalkohol)
-
1:1-Gemisch aus Propanol und Xylol
-
Xylol (gesundheitsschädlich, gut lüften!)
Anmerkung: Die Xylol- bzw. Xylolgemischstufe wird nur bei Verwendung von Kanadabalsam als Einschlussmittel benötigt.
6. Herstellung des Präparates
Nach der Entwässerungsreihe kann das Präparat auf
einem Objektträger eingebettet werden. Überführen sie den Floh mit der
Pinzette auf den Objektträger. Mithilfe des Mikroskops und einer
Präpariernadel sowie der Pinzette richten sie nun den Floh und seine
Extremitäten aus. Die Beine sollten hierbei nicht den Körper verdecken. Die Hinterbeine dürfen zudem nicht übereinander liegen, da für die Bestimmung die Bedornung der Innenseite der Hinterhüften wichtig sein kann (Fam. Pulicidae).
Der Kopf sollte nach links zeigen - der Floh also auf der rechten Körperseite liegen, da dies der Darstellungsweise der Flöhe in der Literatur entspricht.
Nun geben sie zwei bis drei Tropfen Einschlussmittel (z.B. Euparal) auf das Präparat. Sollte sich das Objekt
hierbei anders ausgerichtet haben, korrigieren sie dies mithilfe der
Präpariernadel. Bei Verwendung von Kanadabalsam wird dieser zweckmäßigerweise vorher auf der Heizung erwärmt, damit er dünnflüssiger ist.
Nun führen sie das Deckgläschen schräg angekippt von
der Seite her an den Einschlussmitteltropfen heran. So weit bis dieser das
Deckgläschen berührt und an ihm leicht aufsteigt. Jetzt können sie das
Gläschen behutsam auf das Objekt legen.
Um die Restfeuchtigkeit zu beseitigen und das
Präparat zu entlüften, halten sie den Objektträger über eine Kerzenflamme. Dabei
sollte der Balsam selbst jedoch nicht anfangen zu kochen bzw. sich zu
zersetzen. Wenn keine Bläschen mehr entweichen, ist der praktische Teil der Präparation
abgeschlossen. Sollte noch Einschlussmittel unter dem Deckgläschen fehlen,
so können sie dies nachfüllen indem sie einen kleinen Tropfen direkt
neben das Gläschen geben. Der Balsam wird dann von selbst in die Lücke
gesogen. Ein Zahnstocher kann beim Auftragen der Tröpfchen gute Dienste
leisten.
Nun legen sie das Objekt für mehrere Tage auf die
Heizung, damit eventuell noch vorhandene Bläschen entweichen. Zur
Trocknung sollte es mindestens 4 Wochen an einem trockenen, warmen Ort
liegen. Kontrollieren sie vor endgültiger Lagerung in einem
Präparatekasten, ob sich das Deckgläschen nicht mehr bewegen lässt.
Überschüssiges bzw. zerlaufenes Einschlussmittel können sie mit Xylol oder anderen Lösungsmitteln
entfernen.
7. Etikettierung
Wie bei anderen Insekten auch ist die richtige
Etikettierung sehr wichtig. Hierfür sollten sie sich pro Objekt 2
(vorzugsweise selbstklebende) Etiketten herstellen. Auf einem wird die
Gattung und Art eventuell der Autor und das Jahr vermerkt
(Determinationsetikett) und auf dem anderen sollten folgende Angaben zu
finden sein:
- Funddatum
- Fundort
- Fundumstände (Wirt, Nest von… usw.) -> für die
Determination evtl. besonders wichtig
- Sammler (leg. …)
- determiniert von (det…); kann auch auf das andere
Etikett
- eventuell Messtischblatt (MTB) oder Koordinaten
Die Etikettierung sollte noch vor der Trocknung
erfolgen! Achten sie auch bei den vorhergehenden Schritten
(Entwässerungsreihe) darauf, dass die Tiere nicht vertauscht werden.
Nichts ist schlimmer als Präparate mit unzuverlässiger Herkunft.
Zum Schluss einige Empfehlungen
Die Herstellung von derartigen Mikropräparaten ist
nicht schwierig, aber wie immer gilt auch hier der Grundsatz: „Übung
macht den Meister." Keiner sollte also verzweifeln, wenn die ersten
Präparate nicht gleich gelingen. Nach einigen Versuchen hat man den
Bogen raus und weiß wie man präparieren muss.
Für die Materialbeschaffung sei an dieser Stelle auf
unsere Links zu Entomologiebedarfshandlungen verwiesen. Dort
bekommt man eigentlich alles. Was die Chemikalien angeht, so sei
empfohlen dort anzurufen, da nicht immer alle Chemikalien im
Internet gelistet sind. Jeder sollte jedoch selbst ausprobieren, mit
welchen Materialien er am Besten hinkommt. So kann ich die Verwendung von Xylol und Kanadabalsam nicht empfehlen, da sie gesundheitsschädlich sind und ersterer im Verdacht steht krebserregend zu sein. Euparal als Alternative zu Kandabalsam bietet zudem den Vorteil, dass die Feuchtigkeit während der Lagerung der Objektträger auf der Heizung vollständig entweicht.
Ich selbst bin immer an Flöhen interessiert.
Derartige Sendungen schicken Sie bitte an:
René Ressler, Karl-Tietz-Str. 10, 15537 Erkner; Tel:
03362/501 701 oder Mail an ressler[at]rz.uni-potsdam.de
Literatur:
PAWLOWSKY, E. N. (1931): Sammeln, Züchtung und Untersuchung der Flöhe. In: ABDERHALDEN, E. (Hrsg.): Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden. - Wien: 97-160.
PEUS, F. (1953): Flöhe. Die neue Brehm-Bücherei
Heft 98. – 43 S.; Leipzig (Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig)
PIECHOCKI, R., HÄNDEL, J. (1996): Makroskopische
Präparationstechnik, Teil 2, Wirbellose. Heidelberg (Spektrum
Akademischer Verlag)

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