ExkursionsberichteExkursion Thomsdorf, Naturpark Uckermärkische Seen
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Zur Tradition des ORION gehört die jährliche Exkursion um Pfingsten,
gemeinsam mit Freunden und Ehepartnern, in die Mark oder entfernter Regionen
Deutschlands.
In diesem Jahr konnten sich die Vereinsmitglieder zwischen Cochem a. d.
Mosel und Thomsdorf in der Uckermark entscheiden. Dementsprechend hielt
sich die Teilnehmerzahl für Thomsdorf in Grenzen.
Unser Hotel für drei Tage war das "Haus Thomsdorf", direkt am Carwitzer
See gelegen, am Rande einer wunderschönen waldreichen Hügel- Seenlandschaft.
Alles, was die Eiszeit hinterlassen hat, End- und Grundmoränen und Sander,
bot sich uns dar als waldfreie Hügel und Hänge mit Trockenrasen, Kiefern-
und Laubmischwälder und Seen.
Erkundet wurde - unter ortskundiger Führung von Uwe Göritz und Herrn und Frau Gabriel - die Prenzlauer "Kleine Heide" und ein nach Süden exponierter Hang bei Naugarten*). Ferner das Gebiet Hauptmannsberg/Hollerbusch in Carwitz.
Bei Temperaturen um 20°C bis 23°C und einem leichten Wind luden der Samstag
und der Sonntag zu angenehmen und erfolgreichen Erkundungen ein.
Die Abende und Nächte dagegen waren kühl und zu kalt, um beim Lichtfang
Erfolge zu erzielen. Zwar sang die Nachtigall bis fast zur Morgendämmerung,
doch kaum ein Insekt wagte sich aus dem Schutz der Vegetation.
Der erste Vorsitzende des ORION, Michael Woelky, war im Besitz einer
behördlichen Ausnahmegenehmigung zum Sammeln einzelner Insekten zur korrekten
Bestimmung.
Am Samstag fuhren wir nach Prenzlau und auf engen Sandwegen bis tief in
die "Kleine Heide" hinein.
Ein weithin sich erstreckendes Trockenrasengebiet breitete sich vor uns
aus, in der Mitte dann steil abfallend wie in einem Trichter ein kreisrunder
kleiner See, ringsum bewachsen mit Weide und krautiger Feuchtwiese.
Wer nicht mit dem Käscher unterwegs war, fotografierte oder machte Notizen.
So speicherte Bernd Krüger Insekten aller Ordnungen in seiner Digitalkamera.
Nach dem gemeinsamen Abendessen schaltete er dann seinen Laptop ein, worauf
sich ein allgemeines Determinationsgespräch entwickelte.
Klaus Dörbandt, der schon seit vielen Jahren in allen Ecken Brandenburgs Tagfalter registriert und faunistische Daten speichert, war mit einem Notizbuch unterwegs, beugte sich hier und da tief ins Gras oder folgte mit den Augen einem Falter, um seine Zählliste mit neuen Namen oder Strichen zu vervollständigen.
Schlehenbüsche, Weißdorn, Wilde Rose, Ginster, kleine Birken - das waren die Begrenzungen der herrlichen Wiesen, auf denen zwischen Gräsern, Scabiosen und anderen blühenden Pflanzen u. a. die Karthäusernelke und der Natternkopf blühten.
Dr. Jürgen Deckert war zur Stelle, wenn eine Wanze determiniert werden musste, Roland Herrmann und Michael Woelky "meldeten" Schmetterlinge, und Jörg Heimann klopfte Käfer von Büschen und Gräsern.
Unser ortskundiger Führer geleitete uns zum geplanten Mittagessen anschließend
nach Naugarten.
Dort angekommen fanden wir das sonst für gute Restauration bekannte Lokal
geschlossen. Stattdessen begrüßten uns an die zwanzig Feuerwehr-Löschzüge
mit für Berliner Ohren zwar gewohntem, in dieser Gegend jedoch nicht erwartetem
Lärm.
Die Wirtin des an dem Naugartener See gelegenen Lokals bedauerte uns gegenüber,
dass zur Zeit geschlossen sei, machte uns aber auf eine Besonderheit im
Lokal aufmerksam: Man kann auf einem Bildschirm im Lokal über eine Videokamera
unter Wasser die im (!) See heranschwimmenden Fische betrachten.
Der See wird - so erklärte es Uwe Göritz - seit Jahren durch Abpumpen des
Tiefwassers renaturiert, so dass er sich, nach jahrzehntelangen Eingaben
von Gülle, langsam aber erfolgreich erholt. Die Artenzahl der Fische nimmt
ständig zu.
Eine entomologische Einlage bescherte uns dann noch an einem aus Baumstämmen
gefertigten Denkmal in der Ortsmitte ein Käferpaar in Kopulation. Leptura
quadrifasciata (LINNAEUS, 1758) mit Sicherheit aus diesem Baumstamm
geschlüpft, vergnügte sich auf dem mit Karbolfarbe frisch gestrichenem Holze.
Und so wird das Weibchen - so befürchtet es der Künstler und so hoffen wir
es - seine Eier im Innern des Baumstammes ablegen und für Leben im Holze
sorgen.
Das Mittagessen holten wir in der Klostermühle von Boitzenburg nach - empfehlenswert nicht nur das Essen, sondern auch die Umgebung mit einer Ruine eines Zisterzienserinnenklosters, und einem dazu gehörigen verwilderten Park mit uraltem Eichenbestand! (800-jährigen Eichen)
Ähnlich gestaltete sich der folgende Sonntag, wo wir den Hauptmannsberg
in Carwitz (schon in Mecklenburg-Vorpommern) besammelten.
Auch hier wieder, diesmal auf einem Hügel, waldfrei und viel Trockenrasen
und Sonne.
Die mit uns gereisten Ehefrauen und Frau Stiesy hatten während unseres Sammelns auf einem ausgedehnten Spaziergang ein gutes Restaurant zum Einkehren ausfindig gemacht, so dass neben dem fachlichen Teil der Exkursion auch das Vereinsvergnügen nicht zu kurz kam
*) GPS-Daten: "Kleine Heide": 53° 16`56 ``N, 13° 47`32``E, Naugarten: 53° 17`48``N, 13°`40` 9``E