Exkursion Naturpark Schlaubetal

von Michael Woelky

Ziel ist der Kleinsee bei Pinnow (MTB 4053). Dieses Biotop bietet vielen Arten der Flora und Fauna  ihre Überlebenschance. So treffen wir auf Bestände von Sumpfporst, Wollgras und Moosbeere. Röhrrichtbestände sind hier ungestört in ihrer Entwicklung. Dr. Wolfram Mey macht auch gleich eine Entdeckung. Er findet die Puppenhülle einer geschlüpften Schilfeule aus der Familie der Cossidae, die Phragmataecia  castaneae . Am Sumpfporst findet man die Raupen des Brombeerzipfelfalters Callophrys rubi, am Wollgras lebt die Raupe vom Großen Heufalter Coenonympha tullia, an der Moosbeere lebt der seltene Moor-Heidelbeeren-Bläuling Plebeius optilete.  Wir können heute gerade mal einen Wanderfalter, den Distelfalter Vanessa cardui registrieren

 Franz Theimer und Christiane Theimer  Puppe von Phragmataecia castaneae (Hübner, 1790)
Callophrys rubi (Linnaeus, 1758) die Raupe von Callophrys rubi (Linnaeus, 1758) Coenonympha tullia (Müller, 1764)
Plebeius optilete (Knoch, 1781) Reicherskreuzer Heide  auf dem Aussichtsturm Frau Woelky

Unser nächstes Ziel war die Reicherskreuzer Heide (MTB 4052). Dr. M. Weidlich berichtete von der Problematik, die Heide zu erhalten. Selbst die oft als sinnvoll eingesetzten Schafherden sind für den Naturschutz nicht immer geeignet. Dank Dr. M. Weidlich bekamen hier auch die Frauen der Mitglieder die Möglichkeit, von einem Aussichtsturm  die Heide zu betrachten. Stephan Gottwald, unser Spezialist für Buprestidae (Prachtkäfer), konnte bei diesem recht kühlen Wetter, doch einige Funde präsentieren. So im NSG Reicherskreuzer Heide und Schwansee (Umg. Aussichtsturm, an der Straße zw. Pinnow u. Reicherskreuz) Agrilus betuleti (Ratzeburg, 1837): in Anzahl an frischtoten jungen Birken (Betula sp.)

Agrilus betuleti (Ratzeburg, 1837)  die Raupe von Rhyparia purpurata (Linnaeus, 1758)  Rhyparia purpurata (Linnaeus, 1758)

Am Heidekraut wurden hier die Raupen des Purpurbärs Rhyparia purpurata und vom Gestreiften Grasbär Spiris striata gefunden. Sobald sich hier einmal kurz die Sonne zeigte, flogen die ersten Rapsweißlinge Pieris napi und der Kleine Heufalter Coenonympha pamphilus

 Spiris striata (Linnaeus, 1758)  die Raupen von Spiris striata (Linnaeus, 1758)  Pieris napi (Linnaeus, 1758)

Gegen 13:30 und 14°C. erreichten wir bei etwas Sonnenschein die Kranichwiesen,  in der Nähe des Wirschensees. Hier zeigten sich der Braunfleckige Perlmutterfalter Boloria selene, das Schwefelvögelchen Lycaena tityrus, der Kleine Feuerfalter Lycaena phlaeas und der Kleine Heufalter Coenonympha pamphilus . Auf eine Besonderheit machte uns Dr. Weidlich aufmerksam. Schlangen-Bärlapp Lycopodium annotinum hat hier seinen Standort. Auch bleiben uns die Gehäuse aus der Familie der Sackträger (Psychidae) nicht verborgen. Wir  finden den Kiefernheiden-Sackträger Acanthopsyche atra, den Laubholz-Sackträger Sterrhopterix fusca und den Zottigen-Sackträger Pachythelia villosella.
 
Auch drei Arten aus der Familie der Spanner (Geometridae), welche auch am Tage aktiv sind, sollen der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Dies sind der Kiefernspanner Bupalus piniaria, der Heideland-Tagspanner Ematurga atomaria und der Wolfsmilchspanner Minoa murinata.
Stephan Gottwald hat zwei weitere Arten von Prachtkäfer zu bieten. Agrilus viridis (Linnaeus, 1758): 2 Ex. an Weide (Salix sp.) und Trachys minutus (Linnaeus, 1758): 1 Ex. an Weide (Salix sp.)

 Kopula von Coenonympha pamphilus (Linnaeus, 1758)    NSG Kranichwiesen
Boloria selene (Denis & Schiffermüller, 1775) Lycaena tityrus (Poda, 1761) Lycaena phlaeas (Linnaeus, 1761)
Schlangen-Bärlapp Sterrhopterix fusca (Haworth, 1809) Canephora hirsuta (PODA, 1761)=unicolor (HUFNAGEL, 1766)
Ematurga piniaria (Linnaeus, 1758) Ematurga atomaria  (Linnaeus, 1758) Agrilus viridis (Linnaeus, 1758)
Trachys minutus (Linnaeus, 1758) Stephan Gottwald in Aktion Wirschensee Teilansicht

Der vier Kilometer lange Naturlehrpfad um den Wirschensee zu den Schlaubequellen führt am Sitz des Naturparks und dem Informationszentrum " Schlaubemühle " vorbei. Schautafeln geben Informationen von der Tier- und Pflanzenwelt dieser Gegend. 
( www.grossschutzgebiete.brandenburg.de )

 Wirschensee    Gonepteryx rhamni (Linnaeus, 1758)

Unser 4. Ziel an diesem Tage ist die Schlaubemühle (MTB 3952). Gegen 14:30 trafen wir hier alle gemeinsam ein. Bockwurst und Bier machten uns die Einkehr leicht. Im Sonnenschein flogen  ein Zitronenfalter Gonepteryx rhamni und einige Rapsweißlinge Pieris napi  vorbei. So wurde von Roland Hermann und mir noch an alten Eichen nach Raupen geklopft. Der Eichenkarmin Catocala sponsa und der Eichenzipfelfalter Neozephyrus quercus  waren der Erfolg.

 Catocala sponsa (Linnaeus, 1767)  die Raupe von Catocala sponsa (Linnaeus, 1767) Neozephyrus quercus (Linnaeus, 1758)
Raupe von Neozephyrus quercus (Linnaeus, 1758) Veronika Stiesy und Christa Woelky Christa Woelky und Manfred Gerstberger

Nach diesem abwechslungsreichen Tag wurde der Abend zu einem gemeinsamen Essen im Hotel Waldow genutzt. So wurde Dank der Führung durch Dr. Michael Weidlich am 1. Exkursionstag, den 26.05.2006 jeden Teilnehmer etwas geboten.

Der 2. Exkursionstag führte nach Kobbeln zum Kobbelke Moor. Der Himmel blieb grau, die Temperaturen gingen an diesem Tage bis 18°C. Regenschauer, die in anderen Gebieten reichlich niedergingen, blieben  uns auch an diesem Tage erspart. Der erste Weg führte uns zum Kobbelner -Stein, ein etwa 300 t schwerer Stein, der in der Eiszeit durch urgewaltige Kräfte von der dänischen Insel Bornholm bis hier her gelangte. 

   Dr. Jürgen Deckert  Dr. Wolfram Mey

Dank Dr. Jürgen Deckerts Navigationshilfe fanden wir ohne Umwege zum Kobbelke Moor. Hier hatte man nun Zeit sich hauptsächlich mit der interessanten Flora zu beschäftigen. Dr. Wolfram Mey , Manfred Gerstberger und Franz Theimer durchstreiften das gesamte Moor,  um eventuell doch auf interessante Kleinschmetterlinge und Köcherfliegen zu stoßen.

 Kobbelke Moor  Gewöhnliche Moosbeere Vaccinium oxycoccus Gewöhnliche Moosbeere mit einem stattlichen Bestand

Frau Deckert kam barfüßig aus dem Moor, mit besten  Fotoergebnissen von verschiedenen Moorpflanzen.

 Fieberklee 
Menyanthes trifoliata
 Zweiblättriges Schattenblümchen 
Maianthenum bifolium
 Schmalblättriges Wollgras
Eriophorum angustifolium
Wollgrasbestand im Kobbelke Moor Sumpfkalla Calla palustris Acker-Wachtelweizen Melampyrum arvense L.

Durch Wald und Flur, sehr abwechslungsreich, ging es danach wieder Richtung Kobbeln. Dr. Deckert hatte heute wohl den meisten Erfolg. Fotos von seinem Spezialgebiet, die Wanzen sollen dies belegen.

 Weichwanze Dicyphus annulatus (Wolff)  Stelzenwanze Gampsocoris punctipes (Germar)  Brutwanze Elasmucha grisea ( L.)

Aber auch den Blick für andere Insekten hat Dr. Jürgen Deckert. Eine Messingeule Diachrysia tutti (Kostrowicki, 1961) wurde im Grase entdeckt und fotografisch festgehalten.

 Bodenwanze Cymus melanocephalus Fieber  Diachrysia tutti (Kostrowicki, 1961)  Trachys troglodytes (Gyllenhal, 1817)
Anthaxia helvetica Stierlin

Die späten Nachmittage wurden von den Teilnehmern unterschiedlich genutzt. Man fuhr nach Lawitz, um weitere Wanzen und Prachtkäfer zu finden, ein Besuch in der Grenzstadt Gubin auf polnischer Seite, oder ein Besuch in Neuzelle stand auf dem Programm.
Im NSG Trockenhänge Lawitz konnte Stephan Gottwald einen weiteren Prachtkäfer nachweisen. Trachys troglodytes (Gyllenhal, 1817): 1 Ex. an Ackerwitwenblume (Knautia arvensis). In Brandenburg sehr lokal und nur wenige aktuell bekannte Vorkommen. Im NSG Große Göhlenze und Fichtengrund traf er auf 2 Ex. vom Anthaxia helvetica Stierlin, 1868, auf Löwenzahnblüten (Taraxacum sp.) In Brandenburg nur selten im äußersten Südwesten am Rande der natürlichen Verbreitung der Lausitzer Tieflandfichte (Abies picea), der Brutpflanze der Larve. Nördlichstes Vorkommen in Deutschland!

Die Geschichte der Region ist eng an das 1268 gegründete Stiftskloster Neuzelle gebunden. Von ihm gingen viele Impulse zur Besiedlung des Gebietes aus. Mit der Barockkirche und der im 16. Jahrhundert entstandenen Klosterbrauerei gehört es zu den interessantesten und meistbesuchten kulturellen Stätten Brandenburgs.


Fotos von Carsten Anderssohn, Dr. Jürgen Deckert u. Frau, Birgit Gabriel, Stephan Gottwald, Bernd Krüger, Peter Rückheim, Michael Woelky

Hier finden Sie zwei Tabellen über die registrierten Kleinschmetterlinge und Wanzen


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