Exkursionsberichte

 

Exkursion nach Mörnsheim (Naturpark Altmühltal)
vom 1. bis 4.Juni 2012

von Jörg Heimann

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Nach heftigen Regengüssen auf der Autobahn A9 erreichten die Teilnehmer das Tal der Altmühl, wo sich wettermäßig ein ganz anderes Bild bot: wolkig zwar, aber mit Aufheiterungen, und kein Regen mehr.

Mit großer Erleichterung ob der Wetterbesserung begrüßten sich die Teilnehmer umso freudiger zum gemeinsamen Abendessen im Restaurant des Hotels Lindenhof.
Auf Berlin und Umgebung, Dr. Eckl mit Ehefrau aus Limburg, waren ORION-Mitglieder, z.T. in Begleitung ihrer Ehefrauen angereist, insgesamt 29 Personen, Entomologen der Fachrichtungen Schmetterlinge, Käfer, Wanzen und Fliegen.

Der 1. Vorsitzende, Michael Woelky, der wie die bisherigen, so auch diese Exkursion von langer Hand vorbereitet hatte, legte für all diese Insektenordnungen die behördliche Genehmigung zum Sammeln vor.

Gleich am ersten Abend bauten Michael Woelky und Bernd Krüger die Leuchtanlage am Waldrand, direkt hinter dem Gästehaus Waltraud auf.
Mit Taschenlampen und Fotoapparat wurde auch den kleinsten „Motten" zu Leibe gerückt, dergestalt, dass Bernd Krüger an einem kleinen Tischchen nebenan das Insekt auf einer Solnhofener Platte krabbeln ließ und es mit Makrolinse und Blitzlicht ablichtete.
Auch Käfer kamen zum Licht und wurden auf dieses Weise „geblitzt".

Der nächste Tag wurde sonnig und über 20 Grad warm, eine ideale Voraussetzung zur gemeinsamen Exkursion auf den Mühlheimer Berg bei Mörnsheim.
Schon von den Wiesenwegen und der kaum befahrenen Landstraße aus (es war ein Samstag!) ging der Blick hoch zu den verschiedenen Hängen und Kuppen mit den gelbweiß leuchtenden Steinbrüchen und den grauen, z.T. schon mager bewachsenen Abraumhalden.
Mit einem Wort: Der ganze (teilweise schon abgebaute) Berg besteht aus Kalk – Plattenkalk, Lithografenschiefer – der sich in schiefrige Scheiben und Platten spalten lässt, genau nach den Schichten, die sich vor 150 Millionen Jahren als Sedimente auf dem Grunde des ehemaligen Jurameeres abgelagert haben und die noch heute viele Versteinerungen, Fische Saurier, Insekten frei geben.

Der Kalkboden dieses Berges, seine von der Sonne aufgeheizten Hänge mit der besonderen xero- und thermophilen Flora und Insektenfauna, dieses Biotop hatte Michael Woelky schon Jahre zuvor bewogen, hier mal wieder einige Wochen Urlaub zu verbringen, und deshalb zog es dieses Mal viele Vereinsmitglieder hierher.

Heute also schien die Sonne, ein leichter Wind hielt die Temperatur unter 30 Grad. Im weiten Umkreis um das Kalksteinwerk auf der höchsten Kuppe kescherte man, fotografierte und suchte – suchte mit dem Blick am Boden, wo große Flächen des Mauerpfeffers Sedum album den kahlen Stein bedeckte.
Gesucht und auch gefunden wurde die Raupe des Apollofalters Parnassius apollo, der hier eine seiner nördlichsten Populationen hat.

Erst am späten Nachmittag traten wir den Rückzug an – manch einer (eine) mit leichtem Sonnenbrand im Nackenbereich.
Am Fernseher abends erfuhren wir, dass es in Berlin geregnet hat.

Die Landschaft hier inspirierte einiger Exkursionsteilnehmer, am folgenden Tag nach Eichstätt oder Solnhofen zu den dortigen Museen zu fahren, um mehr über die faszinierende Welt vor 150 Millionen Jahren, das Jurameer mit seinen fossilen Versteinerungen zu erfahren. Auch gestern auf dem Mühlenberg wurden schon einige Versteinerungen, u.a. der Teil eines Ringelwurmes, gefunden.
Im Solnhofer Museum waren dann weltweite Berühmtheiten zu sehen: der Urvogel Archaeopteryx, Fische, auf denen jede Schuppe, jede Flosse wie gezeichnet zu Tage lagen. Pfeilschwanzkrebse (deren familia bis heute überlebt hat!), hier als fossile Tiere, auch eine Libelle, die Adern der Flügel deutlich zu sehen – als Fossil hier, 150 Millionen Jahre alt!

Doch wie schön, dass wir uns neben den Fossilen, auch an den rezenten Insekten hier im Altmühltal erfreuen konnten!

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